Auf Schimanskis Spuren


28. Juni 1981: Die Geburt einer Legende! Kriminalhauptkommissar Horst Schimanski, gespielt von Götz George, übernimmt die Ermittlungen beim Tatort. Erster Auftritt, erster Satz, erstes „Scheiße“!

29. Dezember 1991: Das vorläufige Ende einer Legende. Horst Schimanski quittiert den Dienst beim Tatort! Letzter Auftritt, letzter Satz, letztes „Scheiße!“

Dazwischen liegen 10 Jahre, 27 Tatortfolgen und zwei Kinofilme, die Horst Schimanski und Götz George zum Kult werden ließen. Und das nicht nur in Duisburg und im angrenzenden Ruhrgebiet. Nach anfänglicher Ablehnung gehört Schimanski mittlerweile zu Duisburg wie der MSV, das König Pilsener, der Innenhafen oder Ruhrort.


Ruhrort? Genau: Duisburg-Ruhrort! Rheinkilometer 781, ehemals das St. Pauli der Binnenschiffer, Tor zum größten Binnenhafen Europas und Titel des ersten Schimanski-Tatorts.




Hier am Pegel Ruhrort wird die erste Leiche, ein Binnenschiffer, der Schimanski-Tatorte, gefunden. Warum Schimmi für einen Fußweg von nicht einmal 10 Minuten einen Wagen anfordert, um von der Kneipe "Bierquelle" in der Fürst-Bismarck-Straße  zum Ruhrorter-Pegel am Leinpfad zu gelangen, erschließt sich mir ebensowenig, wie zwischen Anruf und Eintreffen am Tatort bei einer Entfernung von nicht mal 500m die Nacht hereinbrechen kann.

Fans des Duos Schimmanski / Thanner haben übrigens seit diesem Jahr die Möglichkeit, sich auf eine geführte Spurensuche durch Ruhrort zu begeben. Bei einem zweistündigen Spaziergang präsentieren Dagmar Damen, der kreative Kopf hinter DU-Tours, und Britta Gies, eine der beiden Macherinnen des Cafe Kaldi, mit viel Herz, viel Liebe, vielen Anekdoten und wachsendem Erfolg seit März diesen Jahres die Schimmi-Tour.

Dagmar Dahmen (links) und Britta Gies (rechts) im Cafe Kaldi


Insgesamt kann man zwischen einer einfachen Tour mit anschließender Currywurst oder einer Tour mit vorausgehendem Brunch, ebenfalls inklusive Curry-Wurst, wählen. Startpunkt ist jeweils das Cafe Kaldi, der ehemalige "Anker", in dem Schimmi und Thanner in ihrem ersten Fall Muscheln (ja, auch das gab es) aßen.


Cafe Kaldi / Zum Anker


Meine Frau und ich haben uns am gestrigen Vatertag, wie ca. 20 andere Fans auch, für den Schimmi-Brunch entschieden und, soviel sei schon mal verraten, dies auch nicht bereut. Der Brunch ist ehrlich und lecker, die Atmosphäre offen und herzlich. Schnell ist man beim Ruhrgebiets-Du und im Gespräch über selbiges, den Hafen, Duisburg und natürlich Schimmi. Nach knapp 1,5 Stunden und einer abschließenden Currywurst-Pommes geht es dann los auf die Spurensuche. Eigentlich viel zu früh, aber doch richtig. Schließlich hat man eine Tour und kein Treffen gebucht.

Nach weiteren knapp 2 Stunden ist die Tour dann leider auch schon wieder viel zu schnell und viel zu früh vorbei. Geblieben sind bleibende Eindrücke eines von der Binnenschifferei geprägten und im Strukturwandel sich befinden Stadtteils "Ruhrort", der es geschafft hat, die Besucherinnen und Besucher mit seinem morbiden und doch lebendigen Charme sowie der Idylle des Rheins in den Bann zu ziehen.

Aber nun genug der Worte, hier einige Impressionen der Tour:



Dagmar Dahmen vor der "Bierquelle"
 

Die ehemalige "Bierquelle"
 

"Bei Gina"
 
Brücke am Eisenbahnbassin
 

Das ehemalige Eisenbahnbassin


Die Mühlenweide
 

Friedrich-Ebert-Brücke


Schifferbörse Duisburg


Lünnemanns Loch


Firma Kleinholz

Wer nun neugierig geworden ist und wissen möchte, was an den Orten passiert oder nicht passiert ist und wie man dort hin kommt, dem kann ich nur empfehlen sich eine der wenigen, noch verbleibenden Restkarten der Schimitour zu sichern. Wo? Natürlich bei DU-Tours oder im Cafe Kaldi.

Ich bekomme übrigens weder Provision, noch Rabatt! Ich finde lediglich die Idee und die Umsetzung extrem gelungen. Mehr davon! Der Pott braucht ob der klammen Kassen bürgerschaftliches Engagement und Werbung nötiger denn je!

Übrigens: Nicht weit von Ruhrort ist Rheinhausen. Warum ich Ihnen das erzähle? Vor 25 Jahren, im November 1987 begann hier, nach einer viel beachteten und hoch emotionalen Rede von Helmut Laakmann, der wohl bis heute größte und härteste Arbeitskampf der deutschen Geschichte. Die medialen Höhepunkte neben dieser Rede sind sicherlich die Besetzung der Rheinbrücke „Rheinhausen-Hochfeld“, der Autobahn A40 sowie der Sturm der Villa Hügel. Wer Lust auf Gänsehaut hat, bitte hier klicken. Dabei war Helmut Laakmann keineswegs Gewerkschafter sondern Betriebsleiter und graue Emminenz des Stahlwerks Rheinhausen.

Dieser Arbeitskampf war dann 1989 auch der Hintergrund für die frei erfundene Tatortfolge „Der Pott“ -  mit dem großartigen und viel zu früh gestorbene Rio Reiser - und ist heute, mit der wohl bevorstehenden Opel-Werksschließung in Bochum,  aktueller denn je.