Fremdgegangen

Oder: Industriekultur in Düsseldorf trifft automobiles Kulturgut


Irgendwann um die Jahrtausendwende kam ein findiger Jungakademiker auf die Idee in Berlin ein altes Straßenbahndepot zu kaufen und dieses zu sanieren, um es dann an Oltimer-Freunde und oldtimerfreundliche  Firmen weiter zu vermieten. Industriekultur trifft automobiles Kulturgut. Die Idee mit dem Namen „Meilenwerk“ wurde ein riesen Erfolg und schrie nach Expansion. In Düsseldorf, Landeshauptstadt und Bankenmetropole Nordrhein-Westfalens, fand man einen alten und verwaisten Ringlokschuppen, den man zu einer multifunktionalen Lokation umbauen ließ. 2011 wurde aus den Meilenwerken Berlin und Düsseldorf die Classic-Remise.

Wo früher alte Dampflokomotiven geparkt wurden, stehen heute, für jeden sichtbar, liebevoll restaurierte Oldtimer wohlhabender Privatleute – natürlich gut klimatisiert hinter Glas und nur zugänglich für denjenigen, der die jeweilige Garage gemietet hat. Die ehemalige Drehscheibe ist heute eine überdachte Verkaufsfläche der in der Classic Remise beheimateten Oldtimerhändler - und damit Drehscheibe der Oldtimer selbst. In den außen gelegenen Räumlichkeiten des Ringlokschuppens befinden sich Werkstätten der unterschiedlichsten Coleur. Zusätzlich vorhanden sind Seminarräume, eine Galerie, Modeboutiquen, eine Eventgastronomie sowie ein großes Außengelände.

Also eigentlich nichts anderes als ein großer Spielplatz für große Jungen und große Mädchen, auf dem sich vom Auto bis zur Zusatzversicherung alles unter einem Dach befindet und man die Möglichkeit hat, ohne Oldtimer zu kommen und mit einem restaurierten, mittels Wertgutachten versicherten und fachgerecht untergestellten wieder zu gehen – passendes Outfit inklusive. Immer vorausgesetzt, man hat die nötigen Märchentaler Euros.

Diesen Trend konnte man bereits auf der Techno Classica in Essen feststellen. Nicht mehr der Oldtimer und dessen Technik – oder der Mensch dahinter – stehen  im Vordergrund, sondern lediglich der Wert und die Wertsteigerung des jeweiligen Fahrzeugs bzw. die Bonität des Halters. Automobiles Kulturgut als Wertanlage in Zeiten der Inflation.

Emotional mag dies bedauerlich sein, wirtschaftlich ist es nachvollziehbar. Und wenn damit zudem ein alter Ringlokschuppen oder ein altes Straßenbahndepot vor dem Abriss gerettet und der Allgemeinheit geöffnet wird, umso schöner. Auch wenn es keine Zeche ist und auch – oder gerade - wenn es in Düsseldorf ist. Aber sehen Sie selbst: