Der Hafendetektiv


Gestern wies mich Kollege Barske, dass ist der mit dem HiFi-, Foto und Gartenblog, der nebenbei auch noch die Chefredaktion  der LP und Klang+Ton inne hat, während der Hörsession der K+T freundlich aber bestimmt darauf hin, dass ich gefälligst mit meinem Blog weiter machen solle. Recht hat er! Es war in letzter Zeit tatsächlich etwas still hier. Daher an dieser Stelle ausnahmsweise mal ein Beitrag ohne Fotos aber mit einem wirklich tollen Tipp:

Der Hafendetektiv

Diejenigen, die diesen Blog mehr oder weniger aufmerksam lesen, erinnern sich vielleicht, dass meine Frau und ich im Mai diesen Jahres am ersten Schimi-Brunch teilgenommen haben. Im Rahmen der Tour fielen auch die Stichworte „Hafendetektiv“ und „Klaus Löwitsch“. Mag der Name Löwitsch noch bei dem ein oder anderen die Assoziation „Peter Strohm“ hervorrufen, trennt sich beim Hafendetektiv meist die Spreu vom Weizen. Vollkommen zu unrecht, aber doch nicht weiter verwunderlich!  Lief diese Serie doch Ende der 80er nur sehr kurz im Vorabendprogramm der ARD.

Wobei: In den 80ern war das Vorabendprogramm der ARD noch eine Art „Semi-Primetime“.  Zwischen 19.00 Uhr und 20.00 Uhr wurden Serien wie „Auf Achse“, „Detektivbüro Roth“, „Remington Steel“, „Hart aber herzlich“, oder Simon & Simon gezeigt, die es zwischenzeitlich ebenfalls als DVD-Box gibt. Keine Spur der heute gängigen Telenovelas und Soaps. Stattdessen Serien mit Lokalkolorit, die die Sendeanstalten der ARD zum Teil noch selbst oder in gegenseitiger Kooperation produzieren ließen. Einziges Überbleibsel aus dieser Zeit: „Das Großstadtrevier“ – und da hat auch nicht immer Jan Fedder alias Dirk Matthies ermittelt.

 Doch zurück zum Hafendetektiv: Die ersten dreizehn Folgen dieser Serie gibt es als DVD-Box. Bild und Ton entsprechen den Entstehungsjahren, also nichts mit HD und Dolby-Digital, dafür aber sehr authentisch. Die Serie selbst ist ein Ableger (neudeutsch Spin-Off) der damals äußerst erfolgreichen Vorabendserie „Detektivbüro Roth“. Der raubeinig charmante Hafendetektiv Albert Löffelhardt, gespielt von Klaus Löwitsch, hilft seinem Berliner Kollegen Bruno Roth, gespielt von Manfred Krug, immer dann, wenn dieser einen Fall im Pott zu klären hat. Irgendwann verschwindet Löffelhardt dann für eine gewisse Zeit von der Bildfläche und niemand weiß wo er sich gerade befindet. Als Benno Stepanek taucht er dann in Ruhrort wieder auf. Daher auch der Titel der ersten Folge: „Mein Name ist Stepanek“, in dessen Verlauf klar wird, wie aus Löffelhardt Stepanek wurde.
Nun ist Stepanek also wieder in seiner Heimat Duisburg und ermittelt dort als Detektiv meist im Duisburger Hafen, wo er auch wohnt - und zwar in der Dachgeschoßwohnung der Firma Kleinholz. Bei seinen Ermittlungen trifft er immer wieder auf die Staatsgewalt in Form von Kriminaloberrat Toffer, gespielt von Hellmut Lange. Wenn’s brennt ruft Toffer Stepanek und der setzt sich dann in sein Schlauchboot oder seinen alten Landi und handelt spontan, risikoreich und unvorhersehbar.

Insgesamt ist der Hafendetektiv ist ein unterhaltsames Stück Zeitgeschichte mit einer gehörigen Portion Lokalkolorit und großartigen Schauspielern. Im Laufe der Folgen fragt man sich irgendwann, was eigentlich passiert wäre, wenn Stepanek und Schimanski aufeinander getroffen wären und man fragt sich, warum dies eigentlich nicht passiert ist. Ruhrort ist eigentlich zu klein, um sich aus dem Weg zu gehe. Stepaneks Kumpel und Kneipenwirt Franz übernimmt in Folge 13 z. B. den Anker, also die Kneipe, in der Schimanski und Thanner in Tatort Ruhrort ihr Muscheln essen. Stepanek wohnt wie Schimanskis Kumpel Frieda bei der Firma Kleinholz und hat dort sein Schlauchboot liegen, wo Frida an seinem Boot schweißt. Kriminalrat Toffer wohnt im gleichen Turm wie Thanner. Die beiden sind also nicht nur Kollegen sondern auch Nachbarn und müssten sich ob ihrer höflich korrekten Art eigentlich äußerst sympathisch sein. Und auch Kriminalrat Königsberg und Toffer müssten sich kennen. Und ganz zum Schluss sei die Frage erlaubt, warum der Frauenheld Schimanski nichts oder noch nichts mit Stepaneks Exgeliebter Irene hatte. Warum gibt es bis auf eine kleine süffisante Spitze keinerlei Verweise und Bezüge zu Schimanski. Vielleicht mag es einfach daran liegen, dass die Duisburger Mordkommission kein einziges Mal benötigt wird. Leichen? Fehlanzeige! Es geht hauptsächlich um Schmuggel, Diebstahl, Betrug und andere Schweinereien. Und Stepanek ist im Gegensatz zu Schimanki lieber Frikadellen als Curry-Wurst.

Wer also Lust auf das Duisburg der späten 80er und einen Klaus Löwitsch in Hochform hat, bitte sehr, mit dem Hafendetektiv werden Sie geholfen! Nebenbei bemerkt, es wird auch ordentlich fotografiert in der Serie und Stepaneks Dunkelkammer ist wirklich der Hit! Viel Spaß!

P.S. Liebe ARD, wenn Sie diesen Eintrag lesen, bitte, bitte unbedingt auch die zweite Staffel auf DVD veröffentlichen!

P.P.S. Wer hat gerade eigentlich meine DVD-Box?