Berlin 2013: 3 Tage - 3 Kameras II



Samstag, Tag zwei, Pentax *istDS mit dem Tamron AF 18-250mm 3,5-6,3 Di-II LD ASL IF. Schweres Gerät - verglichen mit der E-PL1 Aber doch leichter als geplant. Das Einzige was wirklich hin und wieder stört, ist das ungewollte Ausfahren des Zomms, wenn man vergißt, den "Lock-Schalter" zu bedienen.



Ziel des Tages war eigentlich Friedrichshain. Beim nächtlichen Ku'dammbummel fiel meiner Frau allerdings das ein oder andere herabgesetzte Schnäppchen in's Auge, so dass morgens zwingend die Konsummeilen Tauenzien und Ku'damm auf dem Programm standen.


Vom ehemals kapitalistischen Westen ging dann aber direkt ins Herzen des ehemalige Arbeiterviertel Friedrichshain - zum Straußberger Platz! Gleichzeitig der westliche Auftakt der Karl-Marx-Allee.


Der Platz selber wurde wie die Karl-Marx-Allee im Stile des Neoklassizismus erbaut. Er war einer der Ausgangspunkte des Arbeiteraufstands des 17. Juni und steht wie die Karl-Marx-Allee unter Denkmalschutz. Mit seinen beiden Hochhaustürmen ist er das Spiegelbild zum östlich gelegenen Frankfurter Tor.


Die Karl-Marx-Allee gilt als Europas längstes Baudenkmal und erstreckt sich vom Straußberger Platz bis zum Frankfurter Tor. Wer mehr erfahren möchte, sollte unbedingt das Cafe Sibylle in der Karl-Marx-Allee 72 aufsuchen. Dort gibt es erstens lecker was auf die Gabel und zweitens was Augen und Ohren. Die ehemalige Milchtrinkhalle (kein Witz!) beherbergt nämlich eine Dauerausstellung zur K-M-A und deren Alltäglichkeiten.  Zusätzlich kann man sich im Cafe Sibylle eine Audio-Kiezführung durch Friedrichshain ausleihen. Das ganze kostet 9,00 EUR und dauert ca. 2,5 Stunden. Wenn man länger braucht, ist das kein Problem. Hauptsache, man gibt die mobilen Abspielgeräte, rechtzeitig wieder ab. Wer neugierig ist und mehr darüber wissen will: http://www.stadt-im-ohr.de/touren/friedrichshain . Ebenfalls sehr empfehlenswert ist der Stadtteilführer "Friedrichshain an einem Tag" von Marika Bent für äußerst faire 4,95 EUR.


Direkt neben dem Sibylle befindet sich die Marl-Marx-Buchandlung. Geplant als Vorzeigebuchhandlung mit über 1.500 qm Verkaufs- und Lesefläche, mussten die Betreiber 2008 schließen. Zu groß, zu teuer und zu weit ab vom touristischen Treiben. Geblieben sind der Schriftzug und die Holzregale. Mehr nicht! Äußerst Schade, in Zeiten der Meyerschen Großbuchhandlungen!


Das Computerspiele-Museum! Gegründet 1997 und seit 2011 mit einer dauerhaften Austellung in der Karl-Marx-Allee 93a, dem ehemaligen Cafe Warschau, beheimatet. Mit ca. 22.000 Computerspielen und Anwendungen sowie über 300 Konsolen und Computersysteme und mehr als 10.000 Zeitschriften sicherlich ein Muss für alle Gamer und die, die es mal waren.



Das Hochhaus an der Weberwiese!Größtenteils aus Trümmersteinen erbaut, gilt das Hochhaus an der Weberwiese als erstes sozialistisches Haus Berlins. Ende des 19. Jahrhunderts war die Weberwiese, die heute ein kleiner Park ist, eine große Rasenfläche und diente den dort lebenden Webern und Färbern zum Bleichen der Stoffe. Das Hochhaus findet man direkt hinter den Laubenganghäusern am U-Bahnhof Weberwiese.


Die Laubenganghäuser gehören zur ersten Bauphase der Karl-Marx-Allee, galten aber bald als zu westlich und damit zu dekadent. Zudem würde der niedrige und einfache Baustil die die Hauptstadt Berlin verniedlichen, so der damalige SED-Generalsekretär Walter Ulbrich - der mit der Mauer, und der Absicht, die keiner hatte. Um die Häuser nicht wieder abreißen zu müssen, pflanzte man schnell wachsende Pappeln, um sie zumindest zu verstecken. Stattdessen setzte man im zweiten Bauabschnitt auf monumentale Wonhäuser im Zuckerbäckerstil, auch bekannt als sozialistischer Klassizismus.


Das Frankfurter Tor ist Teil der zweiten Bauphase der Karl-Marx-Allee und war neben dem Straußberger Platz als zweiter architektonischer Höhepunkt geplant. Die Kuppeln sind an die Gontardschen Türme des Deutschen und Französischen Doms in Mitte angelehnt.


Frankfurter Tor Nordseite


Frankfurter Tor Südseite


Kurz vor der Nordseite des Frankfurter Tos, steht das Kino Kosmos. Es gehört zum dritten Bauabschnitt und ist wie die Laubenganghäuser auf der gegenüberliegenden Seite, aus der Gebäudeflucht der K-M-A zurückgesetzt. Mit seinen 1001 Sitzplätzen war es das größte Lichspielhaus der ehemaligen DDR und damit auch vielfach Premierenkino der DEFA. 2005 stellt die Ufa den Kinobetrieb ein. Heute dient das Kosmos als Multifunktionssaal für Kongresse und andere Vernstaltungen. 


Der im Volksmund Boxi genannte Platz steht als Gartendenkmal unter Schutz und dient im Kiez als zentrale Erholungswiese, Treffpunkt, Kinderspielplatz und Marktplatz.


Jeden Samstag findet ein Wochenmarkt statt, auf dem neben frischem Obst und Gemüse, Fleisch und Fisch und Backwaren auch Spezialitäten aus dem Ausland und der Region angeboten werden. Sonntags findet zudem ein Trödelmarkt statt, der bevorzugt von professionellen Flohmarkthändlern besucht wird.


Der Kiez um die Simon-Dach-Str. war einst eine ruhige Wohngegend. Inzwischen hat er sich zu einer angesagten Kneipen- und Flaniermeile entwickelt. Begünstigt wurde dies durch die sehr breiten Bürgersteige, den Baumbestand sowie die Verkehrsberuhigung. Im Sommer gibt es rund 1900 Freiluftsitzplätze in etwa 20 Gaststätten.  Sehr zum Leidwesen der Anwohner, die durchsetzten, dass der Biergartenbetrieb für den Straßenabschnitt zwischen Kopernikusstraße und Boxhagener Straße werktags auf die Zeit bis 22 Uhr und am Wochenende bis 23 Uhr beschränkt wurde.




Insgesamt zählt der Kiez um den Boxhagener Platz mit seinen 75 Hektar und 18.500 Bewohnern zu den am dichtesten besiedelten Gebieten Berlins. Um den Wegzug junger Familien und Erwerstätigen entgegenzuwirken richtete die Stadt ein Quartiersmanagement ein. Die Bevölkerungszahl ist seitdem wieder um elf Prozent gestiegen. Bewohnt wird das Gebiet heute überwiegend von Menschen im Alter zwischen 18 und 35 Jahren - viele mit Migrationshintergrund, was zu einer kulinarischen Vielfalt - mit viel Wert auf Nachhaltigkeit und Verträglichkeit - führt.

Friedrichshain - lohnt sich!