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Ich weiss, in letzter Zeit habe ich mich etwas rar gemacht. Das lag zum einen daran, dass ich einer guten Bekannten bei einem Kalendershooting geholfen habe, für das ich nicht die Veröffentlichungsrechte habe und zum anderen an einem vollzogenen Systemwechsel, der länger gedauert hat, als geplant.
 
Ja, Sie lesen richtig! Überall wird gerade die Neue E-M1 in den Fotohimmel gelobt und ich kehre dem mFT-System den Rücken und kehre zum Pentaxsystem zurück. Naja, nicht ganz, die E-PL1 und das Panasonic Lumix 20mm F1,7 durften bleiben, der Rest musste allerdings gehen. Warum das Ganze?


Die GH1 ist eine tolle Kamera, das Panasonic 14-45mm Zoom für den derzeit aufgerufenen Gebrauchtpreis abbildungstechnisch eine Granate und die mittlerweile vorhandenen Festbrennweiten durchgängig eine Bank. Gerade was Sigma preis- leistungsmäßig anbietet, ist eine qualitative Ansage, die andere Herstelle und Systeme - von Sony einmal abgesehen - zur Zeit nicht im Angebot haben.
 
 
Was aber weder Olympus, noch Panasonic, noch Sigma im Angebot haben, sind preiswerte, lichtstarke Zooms. Und genau hier liegt der Hase im Pfeffer. Ich bin nicht bereit, nahezu 1000 EUR (in Worten: tausend Euro) für ein 12-35mm Zoom zu bezahlen, nur um eine durchgängige Lichtstärke von 2,8 zu bekommen. Andere Herstelle und Systeme bieten ein solches Objektiv nämlich bereits für rd. ein drittel der Summe an. Und das bei nahezu gleicher Abbildungsqualität. 


Nun ist diese Erkenntnis für mFT-User nicht wirklich neu. Im Gegenteil, mFT hat sich, wie oben bereits erwähnt zu einem respektablen Festbrennweitensystem entwickelt. Wer das mag und damit umgehen kann, für den führt eigentlich kein Weg mehr an mFt vorbei. Ich musste mir während des Kalendershooting jedoch eingestehen, dass ich nicht dieser Typ bin. Ich will und brauche die Bequemlichkeit eines lichtstarken Zooms. So scharf und qualitativ hochwertig das Panasonic 14-45mm auch ist, lichtstark ist es nicht.


Wenn ich diesen Makel also kompensieren wollen würde, um mFT die Treue zu halten, müsste ich in eine neue Kamera investieren, deren Low-Light-Fähigkeiten die der GH1 übertreffen. Übrig bleibt mFT dann eigentlich nur noch die OM-D von olympus. Um die rd. 500,00 EUR Differenz zwischen dem Verkauf der GH1 und dem Kauf einer OM-D zu kompensieren zu können, hätte ich einen Teil meiner Objektive verkaufen müssen. Das allerdings widerstrebte mir zutiefst. All die tollen, lichtstarken und knackscharfen Festbrennweiten verkaufen - und damit die Stärke von mFT aufgeben -, nur um auch bei Low-Light zoomen zu können? Wie bescheuert ist das denn?!


Neue Denkanstöße brachte zudem ein Besuch im Gelsenkirchener Zoo, der ZOOM-Erlebniswelt. "Bewaffnet" mit der GH1 und dem Panasonic 14-140mm wollte ich das nicht mehr ganz so neue Tigergehege mit samt den noch übrig geblieben Tigern fotografieren. Dummerweise fing es genau just in dem Moment an zu regnen, als meine Frau und ich vor dem Tigergehege standen. Schönen Dank auch! Weder die GH1 noch das Panasonic 14-140mm sind besonders lichtstark. Abgedichtet sind sie auch nicht. Also blieb mir nichts anderes übrig, als die Kamera mit samt Objektiv unter der wind- und wasserdichte Jacke zu verstauen und zu hoffen, dass der Regen lediglich ein Schauer ist, was er aber nicht war. Zum Glück war aber die Jacke wie vom Hersteller versprochen  wasserdicht, so dass die GH1 den Zoobesuch im Gegensatz zu mir unversehrt und trocken überstanden hat. Was blieb, war der Wunsch nach einem abgedichteten Kamerasystem.


Und genau jetzt wird es eng auf dem ansonsten breit aufgestelltem Kameramarkt. Die OM-D ist zwar abgedichtet, aber das einzige, bezahlbare und abgedichtete Objektiv für mFT ist die 12-50mm Kitlinse der OM-D. Allerdings gilt sie weder als besonders lichtstark noch als besonders scharf. Ein abgedichtetes Tele sucht man zudem vergebens. Gleiches gilt übrigens auch für die Platzhirsche Nikon und Canon. Bezahlbar und abgedichtet haben auch die nicht im Programm. Der einzige Anbieter, der diesen Spagat einigermaßen schafft ist PENTAX.


O.K, lichtstark, abgedichtet und preiswert schaffen auch die nicht. Aber immerhin bieten sie mit dem 18-55mm WR und dem 55-200mm WR zwei abgedichtete Standardlinsen an, die gebraucht in etwas soviel kosten wie ein 12-50mm Standard-Kit von Olympus. Abbildungstechnisch stehen sie der mFT Linse zudem in nichts nach. Lichtstark gibt es ebenfalls, allerdings nicht abgedichtet. Im Gegenzug bieten Tamron und Sigma für das Pentaxbajonett aber bezahlbare Standardzooms mit einer durchgängigen Blende von 2,8 an, die auf dem Gebrauchtmarkt für rd. 200,00 EUR bis 250,00 EUR angeboten werden.


Kameratechnisch bietet Pentax ebenfalls eine breite Auswahl abgedichteter Kameras. Angefangen bei der K200D bis zur topaktuellen K50. Die drei in meinen Augen zur Zeit interessantesten Kameras sind die K10D, die K5 sowie die K30. Die K10D ist neben der K200D die letzte Kamera von Pentax mit einem CCD-Sensor. Im Gegensatz zur E-500 von Olympus ist dieser allerdings von Sony und nicht von Kodak. Dafür bietet die K10D zehn Megapixel, einen Bildstabilisator sowie einen großen und hellen Pentaprismensucher. All das macht sie, genügend Licht vorausgesetzt, auch heute noch zu einer respektablen und alltagstauglichen Kamera.  Die K5 wurde gerade erst durch die K5II bzw. K5IIs ersetzt und befindet sich zur Zeit im Abverkauf. Wer mit ihren Besonderheiten und Feinheiten leben kann, erhält eine semiprofessionelle Kamera mit einer sensationellen Bedienung und Haptik. Ähnliches gilt für die K30. Sie wurde durch die K50 ersetzt und befindet sich ebenfalls im Abverkauf. Bedienung und Haptik sind nicht ganz so sensationell wie bei der K5, dafür ist der Autofokus nicht ganz so zickig. Beiden Kameras gemein ist der über alle Zweifel erhabene 16 MP Sensor von Sony, der bereits in der Nikon D7000 sowie der D5100 verbaut wurde. Dieser Sensor gilt nicht nur als extrem rauscharm sondern auch als scharf und kontrastreich.


Nach reiflicher Überlegung, langem Zaudern und Hadern fiel meine Wahl auf eine gebrauchte K10D mit abgedichtetem 18-55mm WR-Objektiv als Strand- und Schlechtwetterkamera. Parallel dazu erwarb eine neuwertige K30 und ein top gepflegtes Tamron 28-75mm F2,8 als Lowlight- und Alltagskamera. Da ich zeitgleich bis auf die E-PL1 und das Panasonic 20mm F1,7 meine gesamte mFT-Ausrüstung verkaufen konnte, ließ sich der Systemwechsel ohne große finanzielle Einbußen bewerkstelligen.


Mit dieser Ausrüstung ging es dann in den Sylt-Urlaub.

 
Glück auf!

Pentax K10D | Pentax 18-55mm WR | Tamron 28-75mm | Tamron 28-200mm