Letzte Ausfahrt Bruckhausen


Ein Sammelbilder-Thread zum Thema "Tristesse in Deutschland" des DSLR-Forums sowie ein Artikel in der Welt über Duisburg-Bruckhausen ließen mich nach Bildern auf meiner Festplatte stöbern. Ich selbst war das letzte Mal im September 2013 dort, um mir eigenes Bild vom Strukturwandel vom (Teil)Abriss dieses altehrwürdigen Duisburger Stadtteils zu machen.


Zuvor war ich im Mai 2013 in Bruckhausen, um Innenaufnahmen vom Matena-Tunnel zu machen, der zu diesem Zeitpunkt vor der endgültigen Schließung stand. Das folgende, damals entstandene Foto sollte dann den Mai-Fotowettbewerb des DSLR-Forums gewinnen.


Schon damals schrieben die WAZ und der FOKUS über Bruckhausen und den Abriss von rd. 120 Häusern. Im September 2013 konnte man die ersten Ergebnisse dieser einschneidenden Maßnahme bereits deutlich sehen.


Während am drei Kilometer entfernten Innenhafen Baukräne vom Aufschwung Duisburgs verkünden, blasen in Bruckhausen die Abrissbagger das letzte Geleit.


Allerdings trügt auch im Innenhafen der Schein. Zum Frühjahr 2014 verlässt der Reiseveranstalter "alltours" den Innenhafen rheinaufwärts in Richtung Düsseldorf (Klick). Die alltours-Firmenzentrale galt lange als Aushängeschild des Wirtschaftsstandorts Duisburg und als Leuchtturm des Innenhafens. Neben rd. 400 Arbeitsplätzen und Gewerbesteuereinnahmen verliert die Stadt somit vor allem ein Zugpferd und wichtigen Imageträger. Lange Zeit war dies für Duisburg und Bruckhausen nahezu ausschließlich Thyssen. Noch heute bestimmen das Stahlwerk und das Bürohochhaus das Stadtteilbild.


Bruckhausen lebte gut von Thyssen und mit Thyssen . Es gab den inhabergeführten Einzelhandel, die Backerei, den Metzger, Kneipen, Cafes und Hotels.


Heute frisst sich erst der Leerstand und im Anschluss daran der Abrissbagger durch das ehemals reizvolle Viertel.


Wo einst die rd. 120 Häuser standen soll bis 2105 ein "begehbares Landschaftsbauwerk" entstehen.  Nur wer soll diesen Grüngürtel oder Stadtteilpark begehen, wenn kaum noch jemand dort lebt? Brauchen Stadt und Region wirklich einen weiteren "Landschaftspark Duisburg Nord?


Alles in allem kostet der Spaß 70.000.000,00 Euro. In Worten: siebzig Millionen Euro!!! Die hoch verschuldete Stadt Duisburg muss sich zum Glück mit keinen Cent daran beteiligen. Die Kosten teilen sich Thyssen-Krupp und die EU. Wäre Bruckhausen ein Stadtteil in Berlin oder London, müsste man sich wahrscheinlich wenig Sorgen um das Gründerzeitviertel machen, da Künstler und Studenten mittelfristig dafür sorgen würden, dass der Stadtteil ähnlich trendy und hipp werden würde wie der Prenzlauer Berg oder SoHo - Stahlwerk inklusive. So aber bleibt abzuwarten, was aus Bruckhausen wird.


Glück auf!

Pentax K10D | Pentax WR 18-55 mm