Aussenseiter


Im DSLR-Forum ist mal wieder Glaubenskrieg System- bzw. Markenstreit. Vollformat hier, APS-C dort. Olympus hier, Pentax dort. Sigma auf der einen Seite, Tamron auf der anderen. Was lag also näher, als sich zwei der in den Diskussionen erwähnten Aussenseiter zu schnappen und eine Mittagspause im Hertener Schlosspark zu verbringen.


Liest man die einschlägigen Foren, könnte man glauben, dass ambitioniertes Fotografieren ausschließlich mit dem jeweils aktuellen Topmodell der jeweiligen Marke möglich ist. Die zuvor noch hochgelobte Qualität der Vorgängerin zählt ab dem Moment der Präsentation der Nachfolgerin nicht mehr.


Waren die Sprünge bei der Bildqualität, dem Rauschverhalten und der Low-Light-Fähigkeit in den letzten Jahren durchaus noch mit bloßem Auge sichtbar, wird dies zunehmend schwieriger. 16 Megapixel und ISO 3200 gehören mittlerweile bei allen Anbietern zum Standard. Die Unterschiede zum 24 Megapixel-Sensor sind, unter normalen Umständen, ebenso marginal wie zum halb so großen 12 Megapixel-Sensor. Die Verwendung gleicher Sensoren macht eine Unterscheidung ebenfalls nicht leichter. Wird dann noch in RAW fotografiert und und mittels Lightroom oder DxO-Optics entwickelt, ist eine Unterscheidung nahezu unmöglich. Der Weg zum Foto scheint daher wichtiger zu werden, als das Foto selbst. Die verwendete Technik der Kamera tritt ebenso in den Vordergrund wie deren Haptik, die Menue-Führung oder das Markenimage.


Ähnlich verhält es sich bei den Objektiven. Wirklich schlechte, wie so oft behauptet, gibt es eigentlich nicht mehr. Die Qualität der in der letzten Zeit präsentierten Linsen ist auf einem erfreulich hohen Niveau - während sich deren Preise glücklicherweise in Grenzen halten. Das Preis-Leistungsverhältnis der Festbrennweiten der Firma Sigma für den mFT-Sensor ist z. B. schlicht und ergreifend sensationell. Wer mehr will, wird bei Olympus oder Panasonic fündig. Das 45 mm Olympus gilt mittlerweile als Synonym für Schärfe und Geschwindigkeit - und das für nicht mal 250,00 EUR. Das Vertrackte daran ist, dass diese neue Generation von Objektiven die alte Generation zum Teil genau so aussehen lässt - nämlich alt. Das Erfreuliche daran ist, dass die alten Linsen, um konkurrenzfähig sein zu können, im Preis gesenkt werden (müssen). Nicht anders ist in meinen Augen der Preisverfall des Pentax DA 50 mm 1:1,8 oder des DA 35 mm 1:2,4 zu erklären. Zu dem Preis zwei sehr gute Primes, die sich vor den Wettbewerbern nicht verstecken müssen. Weil dem so ist, sucht der Forist nach anderen Unterscheidungsmerkmalen. Gern genommen sind die Haptik, die Autofokusgeschwindigkeit, das Autofokusgeräusch und / oder das Plastikbajonett. Der Bildqualität tut all das keinen Abbruch.


Einer Objektivunart, der man so ziemlich alles abspricht, sind die sogenannten Superzooms. Im APS-C bereich balgen sich hier Sigma und Tamron um den Kunden. Bei den mFTlern kann man zwischen Olympus und Panasonic wählen. Während das Olympus bei den PENnern über jeden Zweifel erhaben ist, scheiden sich am Panasonic die Geister. Ich persönlich bin ein Fan des Olympus 14-150 mm und halte das Objektiv, sofern man Olympus-User ist,  für ein Must-Have. Das Panasonic konnte mich dagegen  nicht begeistern. Anders verhält es sich beim Tamron 18-200 mm XR DI II LD.


Das Tamron ist ähnlich lichthungrig wie das Panasonic. Bekommt es nicht genug Licht, wirken die Bilder schnelle fad und blass, was durch die oftmals mangelnde Schärfe noch verstärkt wird.Was das Tamron aber vom Panasonic unterscheidet, ist der Preis. Das Tamron kostet gebraucht gerade mal 1/3 des Panasonic. Für nicht einmal 100 EUR bekommt man ein Objektiv das einen Brennweitenbereich von 28-300 mm abdeckt (auf Kleinbild bzw. Vollformat gerechnet). Hauptwettbewerber für das Tamron ist das Sigma 18-200 mm DC. In der Forenlandschaft wird hitzig über die Bildqualität dieser beiden Objektive diskutiert.  Nicht wenige sprechen diesen beiden Superzooms die Daseinsberechtigung ab. Als Begründung wird immer wieder die mangelnde Schärfe, der Lichthunger sowie die CA-Anfälligkeit genannt. Zum Beweis dieser Aussagen werden dann zumeist Objektive herangezogen, die ein Vielfaches der beiden in Ehren ergrauten Superzooms kosten. Die 17-50 mm Geschwister beider Marken sind unbestritten schärfer und schneller, aber auch mehr als doppelt so teuer.Ein Pentax 18-135 mm besticht durch seine herausragende Mittenschärfe kostet aber ebenfalls nahezu das Dreifache.


Die aufgerufenen Preise der Alternativlösungen halte ich übrigens für gerechtfertigt. Mit den genannten Objektiven kann man eine Menge Spaß haben. Sie alle sind hervorragende Immerdraufs, stoßen aber auch recht schnell an ihre Grenzen. Den 17-50 mm Sigmas und Tamrons fehlt es in meinen Augen am langen Ende. Dem Pentax 18-135 mm fehlt es an Lichtstärke. Dem Tamron 28-75 mm, meinem persönlichen Immerdrauf, geht unten rum zu schnell die Luft aus. Und genau hier und jetzt beginnt für mich  die Daseinberechtigung der günstigen Superzooms. Für mich ist das Tamron 18-200 mm eine kostengünstige Erweiterung zum Tamron 28-75 mm. Zudem mag ich diesen, in meinen Augen, leicht analogen Touch der Bilder dieser Linse, der aus der zum Teil am Bildrand auftretenden Matschigkeit bzw. Unschärfe resultiert. Objektive wie das Tamron 28-75 mm oder das DA 50 1:1,8 von Pentax sind hier klarer und schärfer aber irgendwie auch digitaler. Das Ganze erinnert mich an den Vergleich zwischen der guten alten LP und der nicht mehr ganz so jungen CD. Die Klarheit der CD, durch den breiteren Frequenzgang der hohen Töne, interpretieren viele Hörer auch als Kälte oder Schärfe.


An der K30 macht das Tamron eine bessere und schärfere Figur als an der K10D. Dies dürfte der besseren High-Iso-Fähigkeit der K30 geschuldet sein. Blendet man das Objektiv entsprechend ab, stößt die K10D schnell an ihre ISO-Grenze, ab der die Bilder nicht mehr wirklich ansehnlich sind. Bei der K30 setzt diese Grenze erst viel später ein, so dass auch bei schlechteren Lichtverhältnissen noch gute und scharfe Bilder möglich sind. Somit erübrigt sich für mich auch die in Foren so oft angeführte Offenblendentauglichkeit. Von einen Superzoom erwarte ich genau das nicht - und ich will es auch nicht. Für Portraits und / oder das Freistellen habe ich das Tamron 28-75 mm bzw. das Pentax DA 50 mm 1:1,8. Das Tamron 18-200 mm nehme ich gerne dann zusätzlich mit, wenn ich nicht weiß, was mich erwartet oder wenn es wahrscheinlich so eng wird, dass an ein Objektivwechsel nicht zu denken ist. An die Qualität eines Olympus 14-150 mm kommt es leider genausowenig heran, wie das Tamron oder Pentax 18-250 mm Superzoom. Dafür kostet dort die Qualität eines Tamron 28-75 mm ein Vielfaches.

Für mich persönlich ist übrigens das Tamron 18-200 mm XR DI II LD gegenüber dem Sigma 18-200 DC die bessere Lösung. Im Gegensatz zum Sigma, wird das Tamron von DxO Optics unterstützt. DxO eliminiert recht schnell und gründlich einen Großteil der Fehler und Schwächen des Tamrons und macht es so besser. Ob es tatsächlich technisch besser ist als das Sigma, erschließt sich mir weder, noch interessiert es mich. Ich bin mit der Performance des Tamrons mehr als zufrieden. Es reiht sich nahtlos zwischen dem 28-75 mm und dem 70-300 mm ein. Lezteres gefällt mir persönlich übrigens ebenfalls besser als das Sigma 70-300 mm DG OS. Aber das ist eine andere Geschichte! Ebenso, warum ich mit Pentax fotografiere!

Glück auf!

Pentax K30 | Tamron 18-200 mm XR DI II LD