Berlin - nicht nur teuflisch!


Im August hatte die Firma Teufel zur Siegerehrung ihres, gemeinsam mit der Klang+Ton, ausgetragenen, Selbstbauwettbewerbs nach Berlin geladen (KLICK). Wir haben die freie Zeit dazu genutzt, Orte aufzusuchen, die schon länger auf unser "Wollen-wir-mal-besuchen"-Liste standen.




Das Holocaust-Mahnmal in unmittelbarer Nähe zum Brandenburger Tor ist ein beeindruckendes, wellenförmiges Feld aus 2700 Steinstelen und erinnert an die ermordeten Juden Europas. Unter dem Feld befindet sich ein Dokumentationszentrum. 


Wer auf etwas Ruhe abseits des touristischen Trubels hofft, hofft vergeblich. Ein Ort der Stille und Beschaulichkeit ist das Feld leider nicht. Bei unserem Besuch waren Ordner damit beschäftigt, Sonnenanbeter und Fotografen von den Stelen zu bitten, Kinder spieleten verstecken. Eltern suchten rufend ihre Kinder, die gerade Verstecken spielten und für die musikalische Untermalung sorgten asiatische Klänge.


Ebenfalls ein Ort der Erinnerung, die East-Side-Gallery in Freidrichshain. Mit rund 1,3 Kilometern ist sie die längste Open-Air-Galerie der Welt und zugleich das längste erhaltene Stück Mauer.



Für viele ist dieses Stück Hinterlandmauer zwischen Oberbaumbrücke und Ostbahnhof das authentischste Stück Denkmal der Wiedervereinigung. Das Obskure der East-Side-Gallery ist, dass sie sich im ehemaligen Ostteil der Stadt befindet. Zu Zeiten der Teilung war das Berühren der Mauer im Ostteil verboten - vom Bemalen ganz zu schweigen.




Seit 1991 steht die East-Side-Gallery unter Denkmalschutz. Dies hindert aber weder Besucher noch Investoren ihr Unwesen mit ihr zu treiben. Zu meist jüngeren Besuchern scheint es riesig Spaß zu machen, mit eigenen Sprüchen und  Zeichnungen die Bildern der rund 120 Künstler zu verunstalten.


Dabei schrecken sie nicht mal vor weltbekannten Motiven wie dem Bruderkuß zurück.


Der Bruderkuss ist übrigens das einzige Motiv der Gallery im Kleinbildformat 3:2. Witzig! Weniger witzig finde ich die Schmierereien. Noch weniger witzig ist der - hoffentlich nur temporäre - Teilabriss der Gallery im Rahmen eines Bebauungsplans zur Wiederherstellung der Brommystraße. Es bleibt abzuwarten, welche Folgen eine Wohnbebauung des Spreeufers für die East-Side-Gallery haben wird.


Wer also die East-Side-Gallery in ihrer eher ursprünglichen Art erleben will, sollte sich ranhalten. Der Bereich um den Osthafen und die Oberbaumbrücke entwickelt sich immer mehr zu einem angesagten Hotspot Berlins. Nicht ganz unschuldig daran ist das Fernsehen.


ARD und ZDF übertrugen einen Teil Ihrer WM-Reportage 2014 aus dem Arena-Badeschiff im Osthafen. Die Arena selbst ist ein Sammelsurium verschiedener Veranstaltungs- und Kulturräume innerhalb einer alten Industrieanlage, in dessen Schatten sich eine alternative Kneipenszene gebildet hat.


Leider wird in Berlin aus "alternativ" ganz schnell "hipp" und damit unweigerlich auch "teuer". Dies gilt leider auch für den Stadtteil "Friedrichshain". Inzwischen hört man rund um den Boxhagener Platz mehr Englisch, Französich und Spanisch als Berlinerisch. An der Dichte der Schallplattenläden und deren Preise hat sich zum Glück bis jetzt nichts geändert. Hoffentlich bleibt das so!


Ändern sollte sich hingegen das Konzept und das Verhalten der Betreiber der Tempelhofer Freiheit, besser bekannt als Flughafen Tempelhof. Wer glaubt, durch das Gebäude schlendern zu können, um ein wenig Geschichte und Freiheit zu atmen, der hat sich geschnitten, und zwar gewaltig.


Eine Begehung des Gebäudes und des Geländes ist nur im Rahmen einer Führung möglich, die, wie sollte es anders sein, käuflich erworben werden muss. Termine? Aber sicher doch! Führungen am Wochenende finden um 11.00 Uhr und um 14.00 Uhr statt. Und sonst? Nee, nicht doch, wo denken sie hin! Immerhin dauern die Führungen zwei Stunden! Uns wurde am Sonntag um kurz nach zwei freundlich aber bestimmt mitgeteilt, doch an einem anderen Tag wiederzukommen, da bereits geschlossen sei. Alternativ empfahl man uns das öffentlich zugängliche ehemalige Rollfeld des Flughafens.



Dies sei nicht nur frei zugänglich, man habe von dort auch einen guten Blick auf den abgesperrten hinteren Teil des Flughafengebäudes. Stimmt! Aber leider nicht in's Gebäude!!

Glück auf!

Pentax K20D | Sigma 18-200 mm II DC HSM