Das Runde muss ins Eckige: rytande kuber


Wie sie sich vielleicht erinnern, musste ich neulich wegen einer etwas spinnerten Idee in den IKEA. Hintergrund war, dass das DIY-HIFI-FORUM zum Variera-Desktop-Battle geladen hatte. Sie verstehen gerade gar nichts? Macht nichts! Ausnahmsweise ist hier nämlich mal nicht König Fußball gemeint, sondern der Eigenbau von Lautsprechern.

In den 80ern war das mal ganz groß in Mode. In Spitzenzeiten wurden z. B. von einem Großhändler alleine in einem Monat rd 4.000 KEF Chassis verkauft. Nun war KEF damals nicht irgendeine Marke. Im Gegenteil! Immerhin gehört der von KEF entwickelte LS3/5a zu den auch heute noch legendären BBC-Monitoren. Wer mehr über KEF und seine Constructor-Serie lernen möchte, dem lege ich die Seite des KEF-Musems ans Herzen. Ebenfalls sehr zu empfehlen ist die Seite hifiloudspeakers.info. Doch zurück zum Variera-Desktop-Battle: Wer jetzt an IKEA liegt richtig. Variera ist ein kleines Bambuskästchen, was u. a. den Zugriff auf Lebensmittel in Schubladen erleichtern soll. Aussehen tut's so:

Mit freundlicher Genehmigung von A. Gresler / http://www.donhighend.de
Irgendjemand im DIY-Hifi-Forum kam irgendwann auf die Idee, dass dieser ca. 3,5 Liter fassende Pyramidenstumpf einen veritablen Desktop-Lautsprecher abgeben könnte. Und da das Umfunktionieren von IKEA-Artikeln in der Lautsprecherselbstbauszene so eine Art Volkssport ist, wurde aus der Idee recht schnell eine Veranstaltung - der Variera-Desktop-Battle. Ende November treffen sich - Stand heute -  rd. 20 Enthusiasten aus ganz Deutschland in Bremen, um in lockerer Runde ihre Entwicklungen gegeneinander antreten zu lassen. Im Vordergrund steht der Spaß, zu gewinnen gibt es nichts.


Die Herausforderung bestand zum einen darin, passende Chassis für den Bambus-Kasten zu finden und den Bambuskasten mit seinen 6mm dünnen Wänden zu stabilisieren. Übrigens handelt es sich nur um Bambusfurnier. Bei den Chassis fiel meine Wahl auf den W100S in 4 Ohm und die G20SC von Visaton. Zum einen sollte der W100S/4 laut Visaton-Hompage recht gut zu den knapp vier Litern Hubraum passen. Zum anderen lag jeweils ein Paar der besagten Chassis in meinem Schrank.
Last but not least bietet Visaton mit dem Simulationsprogramm Boxsim eine Software, die Messen zwar nicht überflüssig, aber auch nicht zwingend notwendig macht, sofern man Visatonchassis verwendet.


Um die Fertigungstoleranzen an den Stoßkanten auszugleichen und der Bambuskiste etwas mehr Stabilität zu geben, habe Viertelstäbe mit einem aufquellenden Montagekleber verklebt und die verbleibenden freien Seitenwände mit einer kautschukartigen Trittschalldämmung beklebt. Beides lag - ähnlich wie die Chassis -  noch auf dem Dachboden. Die Weiche fand auf der Rückseite Platz. Wer will kann hier als Träger eine 3mm dicke Faserplatte verwenden. Zum einen stärkt dies die Rückwand, zum anderen erleichtert es das Verkleben. Einziger Nachteil, die Anschlussklemmen passen nicht mehr ohne Bohrung. Anschließend wurde das Gehäuse noch mit Polsterwatte und einem zugeschnittenen Stück Sonofil bedämpft.


Die Front besteht aus 16 mm starkem schwarzem MDF, die ich mir von einem Anbieter im Internet habe anfertigen lassen. Verklebt wurden Front und Bambuskasten ebenfalls mit aufquellendem Montagekleber, um auch hier den Fertigungstoleranzen entgegen zu wirken. Das Endergebnis haben sie bereits auf dem Eingangsbild gesehen:


Nach einem Lebensmittelkasten sieht das nicht mehr zwingend aus. Etwas Feinarbeit ist allerdings noch nötig. Hier einmal der vorläufige Weichenplan:


Mit dem roten Widerstand lässt sich die Hochtonenergie recht einfach an den jeweiligen Raum anpassen. Der Frequenzgang auf Achse siegt so aus:


Die Winkelfrequenzgänge sehen wie folgt aus:


Die Boxsim-Datei finden Sie im DIY-HIFI-FORUM.

Wie's klingt? Gut! Finde ich zumindest. Aber kennen Sie einen Entwickler, der sein Produkt nicht toll findet? Übrigens, "rytande kuber" bedeutet frei übersetzt soviel wie "Brüllwürfel", was der Qualität aber alles andere als gerecht wird. O.K. ein KEF LS3/5a ist es nicht, aber das war auch nie mein Ziel. Ich bin gespannt, wie gut der Würfel im November brüllt. Die "Konkurrenz" ist gut und groß.

Ab sofort finden Sie übrigens drei private Entwicklerseiten unter "Sehenswert":

1. Alex' Boxenbude
2. Olli's Boxhenbude
3. Tom's Boxenbude

Viel Spaß!