Der Schalker Verein


Nein, nicht, wie das Bild vielleicht vermuten lässt, der ortsansässige Bundesligist Schalke 04, sondern das ehemalige Hüttenwerk des Schalker Hütten- und Grubenvereins im Stadtteil Bulmke. Das monumentalste Relikt dieses alten Roheisenwerks dürfte der rd. 240 Meter lange und 12 Meter hohe Erz-Hoch-Bunker mit seinen ca. 1.600 Photovoltaikmodulen sein.


Der Schalker Gruben- und Hüttenverein wurde 1872 gegründet. Treibende Kraft war der Essener Industrielle Friedrich Grillo. Der Name geht auf den Sitz der Aktiengesellschaft zurück. Während in Bulmke mit dem Roheisenwerk der Produktionsstandort lag, befand sich die Firmenzentrale des Grillo-Imperiums, zu dem auch noch eine Aktiengesellschaft für Chemische Industrie sowie eine Glas- und Spiegelmanufaktur gehörte, in der Bauernschaft Schalke, direkt vor den Toren Gelsenkirchens. Schalke selbst wurde nämlich erst 1903 von Gelsenkirchen eingemeindet, ein Jahr bevor Schalke 04 als Westfalia Schalke gegründet wurde.


Doch zurück zum Hüttenwerk und dessen Kohlebunker. Der erste Hochofen wurde bereits zwei Jahre nach Gründung in Betrieb genommen. Mit seinen später sechs Hochöfen galt der Schalker Verein vor dem 1. Weltkrieg als größte Eisengießerei Europas. Beliefert wurde das Roheisenwerk über die Bochumer Erzbahn, deren Trasse heute ein beliebter Fahrradweg ist. Zur Blütezeit der Hütte arbeiteten dort rd. 6.000 Menschen.


Im 2. Weltkrieg war der Schalker Verein als Rüstungsbetrieb für die Alliierten ein wichtiges Ziel. Mehrere Bombenangriffe beschädigten das Werk und den angrenzenden Stadtteil schwer. Nach dem 2. Weltkrieg spezialisierte sich das Werk auf die Produktion von Gussrohren für die Trink- und Abwasserentsorgung, die in über 30 Länder exportiert wurden. Bereits 1956 arbeiteten wieder über 5.500 Menschen für den Schalker Verein.


1974 ging der Schalker Verein im Rahmen der Übernahme von Rheinstahl an den Thyssen Konzern. Dieser hielt noch bis 1982 an dem Gelsenkirchner Produktionsstandort fest. Mit der Fokussierung der Eisenproduktion entlang der Rheinschiene wurde das Roheisenwerk 1982, 110 Jahre nach Gründung, geschlossen. Die Produktion der Gussrohre wurde jedoch aufrecht erhalten und später an einen französischen Konzern verkauft, der den Gussprozess 2004 einstellte. Das endgültige Aus und die Schließung des Schalker Verein kam dann 2013.


Bereits 1996 übernahm die Landesentwicklungsgesellschaft Nordrhein-Westfalen einen 35 ha großen Teil des Geländes, um darauf Klein- und Mittelständler anzusiedeln. Trotz der Nähe zum Gelsenkirchener Hauptbahnhof und dem daran angrenzenden Zentrum gelang dies jedoch nicht wie geplant und erhofft. 


Während der Kulturhauptstadt RUHR.2010 war der Kohlen- und Erzbunker als Solarbunker einer von 12 Starken Orten. Heute kann man den Bunker selbst nicht mehr betreten. Grund ist Vandalismus und der Schutz davor, sowie der Schutz vor herabfallendem Material. 


Ich weiss nicht, wie oft ich schon am Schalker Verein vorbeigefahren bin, ohne anzuhalten. Dieses Mal hatte ich zufällig noch die K-5 II mit dem HD DA 55-300 WR im Auto. Eigentlich hatte ich vor an einem anderen Ort einige Tests bezüglich der Abbildungsqualität des Objektives machen, da in den unterschiedlichen Foren über die Qualität des HD DA 55-300 WR heftig diskutiert wird. Ich habe mich dann recht spontan dazu entschieden, auszuprobieren, wie sich das Objektiv im "Nahkampf" schlägt.


Gleich neben dem Bunker wurde übrigens eine Skate-Anlage sowie eine BMX-Rad-Strecke errichtet. Der Skaterpark wird, auch wenn es auf dem Bild nicht den Anschein macht, gut angenommen - nicht nur von Sprayern ;-) Kamera und Objektiv verhielten sich bei diesem Spontan-Test vollkommen unspektakulär. Sie machten das, was sie sollten: Scharfstellen und Auslösen. Natürlich spielte das Wetter dem eher lichtschwachen HD DA 55-300 WR in die Karten. Ein nahezu dauerhaftes Abblenden auf Blende 8 war möglich und kam dem Objektiv zugute. Ich konnte mich somit auf die Bildkomposition konzentrieren.  Mit der Abbildungsleistung des HD DA 55-300 WR bin ich insgesamt mehr als zufrieden. Gut, es ist nicht so scharf, wie mein TAMRON 70-200 1:2,8, aber es ist auch so weich, wie mein altes  DA 50-200 WR. Der Autofokus selbst ist zwar nicht der schnellste und auch nicht der leiseste, aber dafür trifft er recht zuverlässig.


Dennoch wäre ich lieber mit dem DA* 16-50 unterwegs gewesen. Weniger wegen den 50 mm. Die kann das HD DA 55-300 WR recht ordentlich. An der ein oder anderen Stelle hätte ich mir aber durchaus etwas mehr Weitwinkel gewünscht. Dennoch glaube ich, das es mir auch mit der Limitierung auf das HD DA 55-300 WR gelungen ist, die Wucht und die Morbidität dieser Anlage und deren Umgebung festzuhalten und zu vermitteln.


Nach einigen TAMRON 70-300, einem SIGMA 70-300 APO sowie einem SIGMA 70-300 DG OS bin ich mit dem HD DA 55-300 WR angekommen. Es ist eine ideale Ergänzung zum DA* 16-50 und passt auf Grund seiner Kompaktheit in jede Fototasche und zur Not sogar in eine Jackentasche - nur wohin dann mit dem 16-50?

Glück auf!

PENTAX K-5 II | PENTAX HD DA 55-300 mm WR