Das Runde muss ins Eckige: Der ViMo



Mal wieder Boxenbau. Mal wieder VISATON. Warum? Weil's geht!


Eigentlich baut man solch eine Box wie den ViMo gar nicht, da sie total gaga ist. Der Hochtöner (ohne Waveguide) ist nämlich fast doppelt so teuer, wie der Tiefmitteltöner. Wenn das Gehäuse und die Treiber allerdings bereits vorhanden sind und man das Waveguide von einem Forenkollegen bekommt, sieht die Welt schon anders aus. Wenn dann noch gute Laune, Übermut und eine Zeitschrift mit Redaktionsschluss und fehlendem VISATON-Bausatz dazu kommen, steht man unerwartet an der Oberfräse und macht Löcher in bisher unversehrte Bretter. Abends sitzt man dann vor seinem Rechner und versucht mittels der Simulationssoftware BOXSIM eine möglichst adäquate Weichenschaltung aus dem Zeugs zu entwickeln, das man gerade so da hat. So geschehen im letzten September.


ViMo steht übrigens für "VISATON Monitor". Er besteht aus einem W170S in 4 Ohm und einer G25FFL in einem WG148 Waveguide. Das Ganze ist in einem noch gerade kompakten, geschlossenen Gehäuse von rd. 22 Litern verpackt. Diese Kombination galt es nun in Boxsim einzupflegen und und anschließend die simulierte Weiche real umzusetzen.  Im Anschluss wurde das Ganze kurz probegehört und für gut befunden. Ich bin immer wieder erstaunt, wie nah eine BOXSIM-Simulation an der Realität ist - sofern man denn VISATON-Chassis einsetzt. Am Tag darauf ging es zu Holger und Thomas, den beiden Redakteuren der Klang+Ton. Sie erinnern sich, die mit dem Redaktionsschluss und dem fehlenden VISATON-Bausatz. Thomas hat dann noch zwei kleine Veränderungen an der Weiche vorgenommen und den Vorschlag tatsächlich in die Ausgabe 6/2016 übernommen. Hier ein kleiner Ausschnitt aus dem Klang+Ton Hörtest:

"Komplett unauffällig integriert sich der ViMo dann auch in unsere Abhöranlage. Ich habe mich ehrlich schwergetan, der Box Eigenschaften zuzuweisen - und das meine ich als Kompliment, und so war das Ganze wohl auch gedacht. Der Bassbereich ist voll da, durch die geschlossene Bauweise aber nicht aufdringlich, sondern eher, naja, trocken klingt immer nach "zu wenig", aber das trifft es auch nicht. Sagen wir: Es gibt genug Bass, und der ist perfekt in der Kontur. Der Waveguide macht sich insofern bemerkbar, als dass die Raumabbildung subjektiv noch etwas schärfer fokussiert als bei normal eingesetzten Kalotten - so ein kleines bisschen in Richtung Hornhochtöner. Die dezente Hochtonwiedergabe kann man durch den oben erwähnten Parallelkondensator in Richtung "frisch" drehen, aber das ist Geschmackssache. Da der ViMo auch bei höheren Lautstärken die Contenance bewahrt, bekommt er eine dicke Empfehlung für alle Freunde neutraler Wiedergabe und ja, sogar für den Einsatz in einer Arbeitsumgebung, wo es um die Beurteilung von Musik geht."

Fazit der Klang + Ton:

"Hervorragend neutraler Monitorlautsprecher mit bewährten Komponenten zum kleinen Preis."

WOW! I.S.D.N.! (Ich sag' dazu nichts!)  Denn erstens hat mich Thomas Einschätzung ziemlich sprachlos gemacht, zweitens finde ich es es immer schwierig, seine eigenen Werke objektiv zu betrachten und drittens bin ich von den akustischen Qualitäten dieser Box viel zu begeistert um objektiv sein zu können. Ich hatte ja erwartet, dass die Kombi gut harmoniert. Immerhin verbaut VISATON selbst den Hochtöner zusammen mit dem AL130 in der Studio 2. Vom CT270 der K+T wusste ich, dass der Tiefmitteltöner in einem geschlossenen Gehäuse gut funktioniert. Aber das, was da jetzt bei mir zu Hause im Dachstudio steht, hatte ich so nicht erwartet!


Auf der Hörsession der K+T kam der ViMo ebenfalls gut an und sorgte für staunende Gesichter, da man die musikalische Qualität diesen beiden Chassis einfach nicht zutraut. Die Weiche habe ich nochmal überarbeitet und das Gehäuse mit Zebrano-Furnier von SaRaiFo furniert, gebeizt und gelackt. Wie das geht, beschreibt übrigens Kollege Tom in seinem DIY-Audio-Blog sehr gut. Und da es sich um gefügtes Furnier aus heimischen Holzarten handelt, musste auch kein tropischer Baum für den ViMo sterben. Wie das Furnier komplett unbehandelt aussieht, sieht man oberhalb dieses Absatzes. Unterhalb kann man sehen, wie das Furnier bzw. die Box nach dem Beizen aber vor dem Lackieren aussah.


Den Entwicklungsthread mit allen wichtigen Informationen gibt es hier und hier. Ansonsten einfach fragen!.

Glück auf!