Horizonte Zingst 2018 - Teil II



Wie im ersten Teil bereits erwähnt waren die diesjährigen Horizonte in Zingst für mich ein wenig anders. "Nur" zwei Workshops und dazu eine befremdliche Gelassenheit in Sachen Ausrüstung. O.K. stimmt nicht ganz. Ich hatte zusätzlich zu den beiden Workshops noch drei kostenlose Fotowalks mit Melanie Derks, Thomas Adorff und Alex Hahn von Olympus gebucht. In diesem Teil geht es aber vordringlich um den Workshop "From Dusk till Dawn" von und mit Timm Allrich. Normalerweise ist dieser Workshop- immerhin der dienstälteste des Festivals - binnen Sekunden ausgebucht. Dieses Jahr meinte es die Fügung gut mit mir!


Nach einer kleinen Einführung ging es am ersten Tag mit dem Shuttle nach Prerow und von dort mit Leihrädern in den Darß-Wald und zum Weststrand. Trotz Antibrumm und anderer Anti-Mücken-Chemie-Keulen wurde man aufgefressen. Wer ahnt denn bitte schön, dass diese Biester eine Mitfahrgelegenheit zum Strand suchen und planen, während der Fahrt ihren Transporteur durch die Jeans hindurch auszusaugen. Frechheit!


Timm praktiziert hauptberuflich als Radiologe. In den letzen Jahren hat er sich aber auch dank seiner Akribie und Leidenschaft gefühlt zu MeckPomms Haus und Hoffotografen gemausert. Zu Recht. Während wir als Workshopteilnehmer noch mit unserer Ausrüstung beschäftigt waren, stand Timm bereits mit heruntergelassenen Hosen in der nicht gerade warmen Ostsee um sein Bild zu machen.


Das war bereits am zweiten Tag, nach einer guten Stunde Schlaf, gefühlt weit vor dem Aufstehen und gut 30 Minuten nachdem wir uns von der einzigen Gewitterfront MeckPomms im Wald haben abregnen lassen. Besagter Sonnenaufgang entschädigte uns dann für Mückenstiche und nasse Klamotten. Während Timm also immer noch brannte und auf der Jagd nach dem perfekten Foto war, ging ich langsam in die fotographische Sättigung.


Zum besseren Verständnis, "From Dusk Till Dawn" funktioniert in etwa so: Man trifft sich am ersten Tag gegen 15.30 Uhr zur Vorbesprechung. Gegen 17.00 Uhr fährt man mit dem Shuttle nach Prerow. Von dort geht es per Fahrrad gegen 18.00 Uhr durch den Darßwald zum Weststrand. Dort fotografiert man dann in die Nacht hinein, um gegen 0.00 Uhr durch den Darß-Wald wieder per Fahrrad zurück nach Prerow zu fahren - spooky. Gegen 1.30 Uhr ist man wieder in seiner Zingster Unterkunft, um sich gegen 3.00 Uhr wieder am Max-Hünten-Haus zu treffen, um irgendwo den Sonnenaufgang zu fotografieren - Fußmarsch inklusive. Den Abschluss bildet dann, am frühen Nachmittag, die Bildbesprechung. Ganz schön anstrengend!


Für mich war Timms Workshop in vielerlei Hinsicht lehrreich. Erstens, es stimmt nicht, dass eine Micro-Four-Thirds Ausrüstung nichts wiegt. In meinem Rucksack befanden sich eine E-M1, eine E-M5, ein 11-22, ein 14-54, ein 40-150 sowie ein Sigma 70-200. Dazu noch ein 25 1.8, ein 45 1.8 und ein Carbonstativ von Benro mit Dreiwegeneiger. Ich gebe zu, nach den Radtouren und dem Fußmarsch hatte ich Nacken - und zwar amtlich! O.K. bis auf die beiden Festbrennweiten handelt es sich um Four-Thirds-Objektive, aber trotzdem, wirklich leicht war der Rucksack nicht! Und die Verpflegung war in der Fahrradtasche. Daran lag es also auch nicht!


Zweitens: Ortskenntnisse und Vorbereitung ist alles und die richtige Software Gold wert! Timm hatte sich die in Frage kommenden Locations rund um Zingst an den Vortagen bereits angeschaut und wusste daher, was uns genau wo erwarten wird. Dank der Software "The Photographer's Ephemiris" wussten wir ziemlich genau wann wo die Sonne untergehen wird und wie lange die blaue Stunde andauern wird. Was mich allerdings noch mehr beeindruckt hat, war, dass Timms Regen Wetter-App sowohl den Beginn des Gewitters als auch dessen Ende auf die Minute genau vorhersagen konnte. Nicht schlecht!


Drittens: Fotografieren ist Leidenschaft, die Leiden schafft. Oder anders ausgedrückt: Gute Bilder müssen weh tun! Während die meisten Festivalbesucher noch im Bett lagen, ließen wir uns morgens um 3.30 Uhr abregnen und durften dafür einen phänomenalen Sonnenaufgang genießen. Während wir als Workshopteilnehmer versuchten unsere Bilder vom Strand aus zu machen, stand Timm in der Ostsee und hatte so sein Alleinstellungsmerkmal. Während wir bereits genervt, müde und mental satt waren, sprühte Timm immer noch vor Energie und Leidenschaft - oder tat zumindest so. Ich weiss es nicht.


Viertens: Ein von hinten zu öffnender Rucksack ist - gerade am Strand - super. Man legt ihn ab, entnimmt die Kamera, fotografiert, verstaut die Kamera wieder und schultert das Teil anschließend. Sandige Klamotten wie bei einem Normalen Fotorucksack? Fehlanzeige!


Und sonst? Toller Typ! Tolle Truppe! Tolle Tipps! Tolle Fotos! Danke!

Glück auf!