Horizinte Zingst 2018 - Teil III


G.A.S. - Gear Acquisition Syndrome, die Equipment-Sucht, der Haben-Wollen-Reflex bzw. das Nichtvorhandensein des Ganzen.


Wie bereits in Teil I und II erwähnt, waren die Umwelthorizonte in Zingst für mich dieses Jahr ein Wenig anders. Kein Workshop-Wahn und auch kein Bedürfnis irgendwas Grundlegendes an der Ausrüstung ändern zu wollen.Kurz bevor es nach Zingst gehen sollte, führte mich einer der beiden großen Discounter kurzzeitig in Versuchung. Besagter Elektronikmarkt erdreistete sich die Sony Alpha 7 I inkl. Standard 28-70 für unter 800 EUR anzubieten. Meine Frau rollte bereits mit den Augen, während ich das Angebot prüfte. Das Ergebnis war ernüchternd! Kein Stabi, keine Abdichtungen und wenn ich auch nur annähernd in Richtung Qualität meines geliebten 1454 bzw. 1122 wollte, würde es teuer werden - und zwar richtig teuer. Mein Interesse erkaltete umgehend und keimte auch nicht wieder auf, was nicht nur für meine Frau ungewöhnlich war


Als ich mir vor ziemlich genau zwei Jahren statt einer Pentax K1 eine Olympus OM-D E-M1 kaufte, tat ich dies sehr bewusst. Grund war das 1454 von Olympus. Bis heute hat mich kein anderes Objektiv derart in seinen Bann gezogen. Gebraucht bekommt man die erste Generation mit etwas Glück für etwas über 100 EUR.   Etwa die gleiche Summe muss man noch für einen mmf-3 Adapter einplanen. Ein 1454 der zweiten, kontrastautofokusfähigen Version kostet knapp 200 EUR. so dass man für knapp 200 - 300 EUR ein PRO-Objektiv bekommt, was einmal mehr als 800 EUR gekostet hat. Gleiches gilt für das 1122, die wohl am meisten unterschätze Pro-Linse von Olympus.


Lange Zeit war die K-5 von Pentax meine Traumkamera. Am Ende wurde es dann die K-5II. Eine tolle Kamera, warum ich sie mit samt des 16-50* trotz der E-M1 behielt. Benutzt habe ich sie aber kaum noch. Nachdem ich mich an den EVF der E-M1 gewöhnt hatte, fand ich den an sich hervorragenden Sucher der K-5II ziemlich veraltert und benutzerunfreundlich. Über das Klappdisplay der E-M1 ganz zu schweigen. Ergonomisch tuen sich beide Kameras nicht viel. Die E-M1 war und ist für mich aber das bessere Gesamtpaket. Das 1454 und 1122 haben mich gebraucht in etwa soviel gekostet wie ein ein ebenfalls gebrauchtes 1224 von PENTAX.


Und genau da liegt für mich der Hase im Pfeffer. Wenn Olympus etwas wirklich gut kann, dann ist es Optiken bauen. Man hat zwar nicht die Riesenauswahl, aber die Linsen, die man kaufen kann, sind in der Regel überdurchschnittlich gut. Und da die Wenigsten beim Umstieg von FT auf mFT ihr alten FT-Linsen mitnehmen wollen, bekommt man sie in der Regel recht günstig, wobei kontrast-AF-fähige Linse in der Regel teurer sind als reine Phasen-AF-Opjektive, obwohl diese zum Teil optisch besser sind. Ein gutes Beispiel ist hier das 1122. Es kostet gebraucht kaum mehr als das 918, ist diesem aber in nahezu allen Belangen überlegen.


mFT Linsen besitze ich auch. Zwei. Das 25 / 1.8 und das 45 / 1.8. Beide benutze ich bevorzugt an der E-M5 wenn ich dann doch mal Portraits fotografieren möchte. Die Kombination ist nicht nur leicht sondern auch unaufdringlich und unauffällig. Qualitativ müssen sich beide Linsen nicht vor weitaus teureren Wettbewerbern verstecken. O.K. ich mache das als Hobby und muss daher auch keine Kunden mit meiner Ausrüstung beeindrucken. Ich frage mich ernsthaft, wie diese wohl reagieren würden, sollte man mit einer E-M5 inkl. der beiden Primes auflaufen, wenn schon Amateurmodels während eines Workshops skeptisch gucken und sich fragen, was der Typ, also ich, mit der fipsigen Kamera denn in der Veranstaltung will. Nach den ersten Bildern hat sich die Skepsis zumeist gelegt, aber manchmal zählt nun mal der erste Eindruck.


Mir bietet mFT im allgemeinen und Olympus im Speziellen alles was ich brauche. Sauber verarbeitete Bodies mit einer ordentlichen Haptik. Überdurchschnittlich gute Objektive zu einem mehr als fairen Preis sowie eine hilfsbereite und kompetente Community. Der EVF zeigt mir im Vorfeld die Auswirkungen meiner Einstellungen an und ich muss die Kamera nicht vom Auge nehmen, um zu kontrollieren, ob das Bild etwas geworden ist, oder nicht. Hinzu kommt, dass ich weder die E-M5 noch die E-M1 ausreize, beide Kameras mich aber auch nicht überfordern, was dazu führt, dass ich Spaß habe, die Kameras zu benutzen und mitzunehmen.


Während der Workshops und Fotowalks in Zingst kommt man automatisch mit vielen Menschen und Kamerasystemen in Kontakt und ins Gespräch.Technisch hervorragende Bilder machen sie alle, wobei nicht immer die teuerste Ausrüstung auch die besten Bilder macht. Oftmals ist es vielmehr so, daß man recht schnell merkt, wer seine Ausrüstung - und deren Stärken und Schwächen - aus dem FF kennt und wer noch auf der fotografischen Suche ist. Bilder können da - bei aller technischer Brillianz - recht entlarvend und erbarmungslos sein.


Die Ausrüstung alleine, und sei sie noch so gut, macht keine Fotos. Nur weil ich eine Olympus benutze und Frank heiße, gelingen mir nicht zwangsläufig Makros wie die von Frank Rückert. Und trotzdem ich eine E-M1 und ein 45 / 1.8 besitze, bin ich weit davon entfernt, Portraits in der Qualität eines Thomas Adorff hinzubekommen. Frank und Thomas zeigen aber eindrucksvoll, was mit einem mFT-Olympus-System möglich ist, wenn man es beherrscht und weiß, was man tut. Und solange dies bei mir nicht der Fall ist, brauche ich auf kein anderes System wechseln. Sollte ich irgendwann einmal fotografisch soweit sein, wie die beiden, muss ich allerdings auch nicht wechseln, da die mFT-Ergebnisse, wie Frank und Thomas - und viele andere Benutzer auch -  immer wieder beweisen, über jeden Zweifel erhaben sind. Angekommen zu sein, ist sehr beruhigend!


Glück auf!