Hirschbrunft am Darßer Ort


Neulich verschlug es mich mal wieder für ein paar Tage auf Deutschlands schönste Halbinsel Fischland - Darß - Zingst.

Im Moment gibt es dort oben zwei alles beherrschende Themen: Hirschbrunft und Kranichrast. Beiden Themen gemein ist, dass die Tiere scheu sind und daher in der Regel ziemlich weit weg. Außerdem haben sie ihre aktive Zeit dann, wenn der normale, zivilisierte Tourist noch schläft.


Fotografisch bedeutet dies zumeist viel Brennweite und viel ISO und am Ende trotzdem noch croppen. Die hohe Brennweite ist bei mFT gut zu handeln. Dank Crop-Faktor 2 wird aus einem Sigma 70-200 mm  1:2,8 ein 140-400 - zumindest was den Blickwinkel auf Kleinbild gerechnet angeht. Da sind die "Tüten" der Vollformatfraktion schon größer und schwerer. Dafür haben die allerdings weniger Probleme mit der ISO bzw. dem Rauschen. Irgendwas ist ja immer. Und weil ich sowas ahnte, habe ich mir sicherheitshalber das Olympus m.Zuiko Digital 300 mm pro 1:4 ausgeliehen - auch wenn ich das Sigma 70-200mm 1:2,8 inkl. 1,4er Konverter besitze.


Das 300er ist schon toll. Rund 2.500 EUR UVP sind allerdings auch kein Pappenstil. Dafür braucht man dank Doppelstabi an der E-M1 irgendwann allerdings auch kein Stativ mehr. Im Sucher bzw. Viewfinder wackelt nichts. Bis auf das erste Bild wurden alle in diesem Artikel gezeigten Fotos "freihand" aufgenommen. Das zweite Bild übrigens mit dem Sigma 70-200mm 1:2,8 - alle anderen mit dem Olympus 300mm 1:4. Sehr praktisch! Anfänglich wurde ich noch etwas belächelt, nach dem Zeigen der ersten Bilder war dann Ruhe und der Mund vor Staunen auf.


Einziger Nachteil, neben der Entfernung, war und ist das Rauschen. mFT mag ISO-Zahlen jenseits der 1.600 nur bedingt. Erst recht, wenn am Ende das fertige Bild noch gecropt werden muss. Da Not aber bekanntlich erfinderisch macht und Hirsche auch in schwarz/weiss noch gut rüberkommen, habe ich aus der Not eine Tugend gemacht und die Bilder mit Hilfe von "Silver Efex Pro" der NIK-Collection konvertiert. Der Filter nennt sich übrigens "Alte Fotoplatte I". Und schon war das Rauschen kein Problem mehr - zumindest für die Veröffentlichung im weltweiten Netz der Eitelkeiten.


Entstanden sind die Bilder im Rahmen eines von einem Ranger geführten Fotowalks der Fotoschule Zingst. Das schöne an solchen "Spaziergängen" ist, dass man morgens um fünf nicht alleine durch den Wald stapfen muss und ganz nebenbei mitbekommt, dass die anderen Kamerahersteller auch nur mit Wasser kochen. Nachtsichtgeräte sind die Kleinbildknipsen, egal ob mit oder ohne Spiegel, auch nicht. Im Dunkeln sehen die genauso viel bzw. wenig wie die APS-C- bzw. mFT-Kameras - nämlich nichts. Dafür sehen sie dann eher mehr, auch wenn damit widerum der Autofokus noch nicht wirklich umgehen kann. Das wirklich beste LOW-Light-Paket scheint zur Zeit in der Tat Sony zu haben, während mFT hier wirklich ab 1600 ISO abstinkt.


Trotzdem werde ich nicht wechseln. Mir langen meine E-M1.1 und mein Sigma 70-200 mm 1:2,8 für die paar Male, an denen ich Wildlife fotografiere. Und außerdem, mag ich schwarz/weiss. Und an die Kosten eines Umstiegs bei gleichbleibender Objektivqualität will ich gar nicht denken.

Eine Kombi - ich gestehe - lässt mich allerdings doch etwas nervös werden. Bei einer Fuji X-E1 mit dem 27mm 1:2,8 könnte ich bei Zeiten in der Tat schwach werden. Die Kombi hat was! Nicht für Wildlife, aber so als Taschendrache für immer dabei.

Glück auf!