Ernüchterung - Besinnung - Neustart Teil III


Neustart, die letzte! Fuji X-Pro1 - es bleibt anders! | Teil II | Teil I

Der folgende Artikel ist weder ein Test noch eine Kaufberatung, noch Werbung. Er spiegelt lediglich den Weg meiner ganz persönlichen Entscheidungsfindung bei einem Systemwechsel wieder.


Mein erklärtes Ziel war es eigentlich nach der positiven Erfahrung mit der X-T1 eine weitere gebrauchte X-T1 mit 6 bis 12 Monaten Garantie zu bekommen. Bei einem englischen Refurbisher mit deutscher Niederlassung wurde ich fündig. Blöderweise wollte aber weder der mitgelieferte Batteriegriff an der Kamera funktionieren, noch der, den ich bereits besaß. Also ging das gute Stück wieder zurück. Ein Bekannter, mit dem ich mich über meine fotografischen Ziele 2019 unterhielt, setzte mir dann so erfolgreich den Floh "X-Pro1" ins Ohr, dass ich anfing, mich näher mit der Kamera zu beschäftigen.


Wie die Meisten inzwischen bemerkt haben sollten, fotografiere ich sehr gerne und sehr oft in schwarz-weiss. Übrigens schon immer! Und da man sein fotografisches Jahr bekanntlich ein wenig planen soll und dabei das ein oder andere Ziel durchaus hilfreich ist, hatte ich für 2019 bereits zu Olympuszeiten beschlossen, mich nähe mit dem Thema Schwarz-Weiss-Portraitfotografie zu beschäftigen. Fotografisch gesehen habe ich dafür zwei Ankerpunkte im Jahr, die leider zeitlich sehr nahe beieinander liegen. Das eine Highlight sind Ende Mai die Umwelthorizonte in Zingst und die andere Veranstaltung - quasi ein Heimspiel - ist Anfang Juni die photoadventure in Duisburg.


Bisher war es eigentlich immer so, dass ich bereits in Zingst mein jährliches Workshopbudget verbraten hatte. Nicht so 2019. Die Portraitworkshops in Zingst haben mich entweder nicht abgeholt oder waren schlichtweg zu teuer oder aber, ich habe sie bereits in den vergangenen Jahren belegt gehabt. Stand heute sieht es tatsächlich danach aus, dass ich mich dieses Jahr in Zingst vermutlich auf die Fotowalks von Fuji und Olympus beschränken werden. Im Gegensatz dazu gibt es aber zum Glück den ein oder anderen Workshop im Rahmen der photoadventure, der mich brennend interessiert. Allen voran "Film noir - das Licht Hollywoods", von und mit Peter Preston. Und genau hier hat mein liebenswert fieser Bekannte seinen Hebel angesetzt. Ich solle mir, wo ich doch so gerne Schwarz-Weiss fotografieren würde, mal die X-Pro1 anschauen. Nach der Leica Monochrome wohl DIE Schwarz-Weiss-Kamera schlechthin. Erst recht, wenn man, so wie ich, auf den analogen Look stehen würde.


Einer der ersten Treffer meine Suche führte mich auf die Seite Hollywood Portraits von Damien Lovegrove. Sämtliche Bilder wurden mit der X-Pro1 gemacht, der größte Teil mit dem 35mm 1.4 sowie dem 18-55mm - inkl. Exifs und Lichtsettings. Wow !Einfach klicken und staunen - und bitte, bitte, die wirklich sehr gut strukturierte Gallery nur öffnen, wenn man gerade wirklich gar nichts anderes zu tun hat. Ich war und bin von den Schwarz-Weiss-Portraits zutiefst beeindruckt, gerade und vor allem, was die Hollywood Portraits angeht. Weitere Treffer führte mich u.a. zu Kevin Mullins, Martin Hülle oder Joseph d' Agostino oder Adam Bonn's Liebesaffäre. Mit den Videos auf youtube von John T. oder Damian Brown war für mich dann recht schnell klar, dass ich der X-Pro1 eine Chance geben wollte.


Bestärkt wurde ich zudem auch hier wieder durch ein Video von akigrafie live, dass bereits bei der Entscheidung zur X-T1 ein guter Ratgeber war. Aki beschreibt in diesem Video recht plastisch, welchen Einfluss Kamera auf die Art und Weise des Fotografierens haben und wie sich diese durch ein Update auf das neuste Modell verändert oder gerade nicht verändert. Einige seiner Thesen haben mich damals wie heute zum Nachdenken gebracht. Brauche, will, nutze ich tatsächlich all das, was moderne Kameras bieten? Paddy bringt das Ganze in seinem kurzen Video "Haben ist besser als brauchen" dann auf den Punkt! Danke!


Um sicher zu gehen hielt ich wiederum nach einem gebrauchten Exemplar eines Refurbishers bzw. Fachhändlers Ausschau. Sollte mir die X-Pro1 nicht gefallen, könnte ich sie problemlos innerhalb von 14 Tagen zurücksenden. Hätte ich können! Habe ich aber nicht! Fündig wurde ich bei einem dt. Fotohändler aus dem Südwesten dieser Republik, der eine neuwertige X-Pro1 aus einer Sammlung zum Verkauf anbot - inkl. 12 Monaten Garantie. Zusammen mit dem 35 1.4 war das Liebe auf den ersten Klick. Gegenüber der X-T1 setzt die X-Pro1 hier noch die Amarenakirsche auf die Sahne. Waren die Schlagworte bei der X-T1, die mir  in den zumeist enlischsprachigen Test im Ohr blieben und zutrafen, noch "Workhorse", "brilliant" und "awesome", so bestätigte die X-Pro1 die mit ihr verbundenen Schlagworte "organic", "amazing" und "magic" ebenfalls


Hielt ich den Bildlook der X-T1 bereits für recht analog geht die X-Pro1 noch einen Schritt weiter in diese Richtung. O.K. das muss man, wie ich, mögen und wollen. Wer auf den eher moderneren, auf Kontrast optimierten, digitalen Look steht, bei dem das gesamt Bild scharf ist, sollte vielleicht eher zur X-Pro2 und den 2.0er Fujicrons greifen. Wie allerdings im zweiten Teil bereits kurz erwähnt, hat mich das wirklich ziemlich perfekte XF 23mm 2.0 nicht in seinen Bann ziehen können. Das alles andere als perfekte 18mm 2.0 hat da -zumindest - in meinen Augen schon mehr Charakter und Seele und dadurch eine Eigenständigkeit, die ich beim 23mm 2.0 vermisse. Apropos Charakter, Seele und Eigenständigkeit: Die X-Pro1 kann hin und wieder durchaus zickig und eigensinnig sein. Ihr zuweilen langsamer Autofokus macht aus ihr nicht gerade eine "fire-and-forget-cam". Der EVF ist auf Grund eines fehlenden Dioptrienausgleichs nicht unbedingt brillenträgerfreundlich. Der optische Sucher gleicht dies aber wieder aus und zeigt sogar das gemachte Bild kurz im Sucher an, in dem er nach der Aufnahme in den EVF springt. Sehr praktisch! Klappdisplay? Vergessen Sie es! Stattdessen neigt es gelegentlich dazu, sich aufzulösen. Speichergeschwindigkeit? Ja, vorhanden! Batterieverbrauch? Ähnlich üppig, wie bei der X-T1. Das können Olympus und Panasonic wesentlich besser! Haptik? Großartig! Ausstattung? Reduziert!


Insgesamt aber nichts, weswegen man in Panik verfallen sollte. Das ist jetzt keine Steinzeitknipse. Die Autofokusgeschwindigkeit eines 35 1.4 liegt in etwa auf der Höhe der alten FT-Optiken von Olympus an der E-M1.1. Zugegeben, das ist jetzt nicht rasend schnell, aber krötenlahm ist das auch nicht. Dafür trifft aber der Fuji-AF bei schummrigen Licht wesentlich besser als der Olympus-Phasen-AF. Zumal, glaubt man den einschlägigen Test, die Firmwareupdates hier wahre Wunder bewirkt haben sollen. Schneller und treffsicherer als manuell zu fokussieren ist es allemal. Die 2.0er Fujicrons sind nochmals ein kleiner Turbo - wenn man sie denn mag. Sport und Kleinkinder würde ich mit der X-Pro1 in der Tat aber nur bedingt fotografieren wollen. Auch die Speichergeschwindigkeit ist so schlecht nicht. Natürlich sind die neuen Modelle schneller. Mit einer aktuellen Speicherkarte musste ich aber bis jetzt noch nicht darauf warten, weiter fotografieren zu können / dürfen. Aber auch hier gilt: Serienbilder sind nicht die Paradedisziplin der X-Pro1.


Fazit: Die Idee auf Fuji als Nachfolgesystem zu setzen, war richtig. Die X-T1 ist für mich die perfekte Mischung aus E-M1 und E-M5. Klein, Kompakt, schnell! Der Titel "Arbeitstier / Workhorse", der ihr in vielen Tests fast ehrfürchtig gegeben wird, trifft es in meinen Augen wirklich gut. Die X-T1 liefert ab, ohne zu mucken. Fand ich die JPGs bei Olympus schon gut, begeistern sie mich bei Fuji, woran auch die Filmsimulationen nicht ganz unschuldig sind. Die gefallen mir übrigens weitaus besser als die Art-Filter bei Olympus. Die X-Pro1 ist für mich eine sehr gelungene Mischung aus LeicaM, die ich letztes Jahr als Monochrome in Zingst ausprobieren durfte, und OlympusPen, von der ich heute noch eine E-PL1 besitze und schätze. Die X-Pro1 hat den Sucher, den ich an der Pen vermisse (von der PenF einmal abgesehen) und den Autofokus, den ich an der Leica Monochrome vermisst habe.Zudem hat sie noch den von mir sehr geschätzten analogen Bildlook. Der Rest ist in meinen Augen Gewohnheit. Als Kind der 80er bin ich es z. B. durchaus gewohnt, die Blende mittels Ring am Objektiv zu verstellen und nicht per Drehrädchen an der Kamera. Letzteres habe ich bei Olympus und Pentax trotzdem hinbekommen. Dennoch gebe ich gerne zu, dass mir das reduzierte Bedienkonzept der beiden Fuji sehr entgegen kommt. Technische Gimmicks waren noch nie wirklich mein Ding. Nehmen wir als Beispiel mal dieses Bild KLICK. Ich finde es außerordentlich gelungen und habe es auch bereits als Ausdruck in Zingst gesehen. Das Bild wurde mit einer E-M1 und dem 14-150 unter Verwendung der LiveTime-Funktion gemacht. LiveTime ist quasi eine Langzeitbelichtung, bei der man durch drücken des Auslösers bestimmt, wann es losgehen soll und durch nochmaliges drücken des Auslösers die Aufnahme beendet. Zwischendrin kann man im Display beobachten, wie sich das Bild aufbaut. Eigentlich ganz einfach, aber nicht meine Art zu fotografieren. Ich wäre von mir aus auch niemals auf die Idee gekommen, dieses Feature zu nutzen, um so ein Bild zu machen. Ich habe es dann versucht und festgestellt, dass ich diese Art zu Fotografieren nicht mag, genau so wenig wie Bulb und LiveComposite.


Die andere Frage, die sich vielleicht stellt, ist, würde ich mit einer X-Pro2, X-T2 oder X-H1 anders fotografieren oder bessere Ergebnisse bekommen. Ich bin da bei Aki (s.o.) und denke, eher nicht. Für mich soll die Fotografie ein kreativer Ausgleich / kreative Auszeit sein und bleiben. Bis jetzt habe ich noch irgendwie alles hinbekommen bzw. wusste mir irgendwie zu helfen. Die anstehenden Projekte für dieses Jahr sind mit meiner derzeitigen Ausrüstung sehr gut möglich. Der schnellere Autofokus einer X-T2, X-T3 oder X-H1 bringt nichts, wenn man verstärkt mit manuellen Objektiven fotografiert. Die 8 Megapixel mehr an Auflösung können, bei Nutzung eines manuellen Objektivs, auch schon mal hinderlich sein. Von daher sind die 16 MP der X-T1 und X-Pro1 für mich mehr als O.K. Wenn ich mir z. B. bei Damian Lovegrove (s.o.) anschaue, was für herausragend gute Schwarz-Weiss-Portraits mit der X-Pro1 möglich sind und wo ich derzeit fotografisch stehe, habe ich das Potential einer X-Pro1 und X-T1 bei weitem noch nicht ausgeschöpft.


 Und schlussendlich gilt beim Fotografieren zum Glück immer noch:

It's all about light! 

Glück auf!

Fujifilm X-Pro 1 | Fujinon XF 35mm 1.4