Z I N G S T W E H


Die Familie hatte Zingstweh - und zwar heftig. Was lag also näher als einen Kurzurlaub zum Lichtertanz der Elemente einzustreuen. Fotografisch hieß das, zum ersten mal mit der Fuji auf Reisen zu sein. Kurz bevor es los ging trudelte auch mein Fujinon XC 15-45 mm Kit-Zoom ein, dass ich mir als (U)WW-Ersatz mehr oder weniger Spontan gekauft hatte.


O.K. das ist kein 1:1 Ersatz für das Zuiko Digital 11-22 mm. Dafür ist es zu digital und bei weitem nicht so gut korrigiert wie die FT-Vorzeigelinse. Dafür ist es aber wesentlich kompakter und der Autofokus ist schneller und treffsicherer. Mit dem (m)Zuiko-Digital 9-18 mm kann es in meinen Augen aber durchaus mithalten, auch wenn dem XC 15-45 mm untenrum knapp 4 mm fehlen bezogen auf das Kleinbild.


Letzteres ist mir aber ziemlich wurscht, da ich erstens bei Olympus festgestellt habe, dass ich nur sehr selten unter 22 mm KB fotografiere und zweitens unter PENTAX mir 14 mm mehr als genügt hatten.


22 mm KB bedeuten bei Fuji 14 - 15mm. Viel Auswahl bleibt einem da nicht, vor allem, wenn es preislich im Rahmen bleiben soll. Abhilfe schafften mal wieder die Jungs von www.lenstip.com. Deren Test des XC 15-45 mm bescheinigte dem Objektiv ein nahezu sensationelle Bildqualität bei 15 mm. Einzige Einschränkung, man sollte nicht mehr abblenden, als auf Blende 5.6.Die Brennweiten  jenseits der 15 mm bekäme man mehr oder weniger kostenlos on top.


Betrachtet man die Preise des XF 14mm 2.8 oder des XF 10-24 mm schlägt sich das XC 15-45 äußerst wacker. Für mal hin und wieder (U)WW ist es eine tolle Alternative. Allerdings gibt es auch die ein oder andere Kröte zu schlucken. Zum einen ist es zu 100 % aus Plastik. Zum anderen hat es ein Motorzoom. Zu allem Überfluss fährt das Objektiv auch noch in den Ruhemodus, sobald man sich  das gemachte Bild anschauen will. Doof! Voll Doof! Geht gar nicht! Ist aber nicht zu ändern.  Leider! Und dann wäre da noch der fehlende Blendenring. War "Rädchen drehen" bei Olympus und PENTAX noch vollkommen in Ordnung, empfinde ich es bei Fuji irgendwie komisch, da ich mich recht schnell an die Bedienung über den Blendenring gewöhnt habe.


Rein von der BQ gibt es aber auch in meinen Augen recht wenig zu meckern. Erst recht, wenn man den Gebrauchtpreis von knapp 125 EUR in Relation zum 14mm 2.8 oder 10 - 24mm setzt. Für die paar Male, die ich eine Brennweite unterhalb von 18 mm benötige, ist das XC 15 - 45 mm mehr als ausreichend. Für alles andere habe ich das XF 18-55 mm. Das kann alles noch ein wenig besser und hat einen Blendenring.


Apropos Blendenring. Neben dem XC 15-45 mm hatte ich lediglich drei weitere Objektive mit nach Zingst genommen. Zum einen das PENTAX-M 1:1.7 / 50 mm, zum zweiten das PENTAX-M 1:4 / 200 mm und zum dritten das Macro-Revuenon 1:2.8 /28 mm (Enna München).


Seit ich die X-T1 habe, fotografiere ich verstärkt wieder manuell. So auch während der vier Tage in Zingst. So auch am Freitag. Während der Dämmerung mit dem PENTAX-M 50mm und abends dann mit dem Revuenon.


Das Revuenon entwickelt sich immer mehr zu meiner Lieblingslinse, wenn es um Nachtaufnahmen und Langzeitbelichtungen geht. Das Objektiv liefert ab, ohne zu murren. Allerdings steht die Verarbeitungsqualität im krassen Gegensatz zur optischen Qualität. Das Revuenon ist, wie das XC 15-45, zu 100% aus Kunststoff. Selbst das Bajonett. Und das bei einem gut 40 Jahre alten Objektiv. Böse Zungen würden jetzt behaupten, die bei Enna München waren ihrer Zeit weit voraus.


Ganz anders das PENTAX-M 1:4 200 mm. Das ist optisch wirklich sehr gut und auch haptisch. So wie die ganze PENTAX-M-Serie, vom 28mm 1:2.8 mal abgesehen. Das hat mir nicht so gut gefallen. Das M 200 ist ähnlich kompakt wie das 135 und in meinen Augen sogar ein wenig besser als das M 135 1:3.5.


Der Olympus-Else war es mal wieder zu stürmisch im Winter. Im Gegensatz zu Aschenputtel hat sie aber gleich einen ganz Fuß da gelassen. Bitte, bitte einfach entfernen und dann so lassen. Bitte nicht Else Nummer drei montieren. Die haut im Winter auch wieder ab!


Also Portrait bzw. Veranstaltungsobjektiv funktioniert es auch recht gut. Der Typ auf dem Bild ist Arne Feuerschlund mit seinen "Three Burning Dingers". Immer kurz vorm Burnout, dabei aber stets humorvoll und hintergründig. Tolle Show! Auch für Kinder.




Und was bleibt? Vier erholsame Tage und die Gewissheit mit Fuji die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Bildqualität und Spaß stimmen. Hin und wieder wird man komisch beäugt, wenn man manuell fotografiert und manchmal sogar darauf angesprochen.Cool war eine Dame mittleren Alters, die meinte: "Junger Mann, Sie können sich hier im Kurhaus auch eine moderne Kamera ausleihen. Da müssen sie dann nicht mehr selbst scharfstellen!"

Glück auf!

Fuji X-T1 | Fujinon XC 15-45 mm | PENTAX-M 1:1.7 50mm | PENTAX-M 1:4 200 mm | Macro-Revuenon 1:2.8 28 mm