Fujinon 18mm F/2 R - Das hässliche Entlein


O.K. reden für mal über das Fujinon XF 18mm F2 R. Das ist kacke! Und zwar mal so richtig! Es ist laut, langsam und  hinsichtlich der Randschärfe lausing - und zwar so was von. Wird zumindest behauptet! Aber stimmt das auch?

Neulich war ich in Münster. Der ein oder andere wird es vielleicht schon am Eingangsbild erkannt haben, das den Münsteraner Dom zeigt. Geplant war eigentlich ein historischer Stadtbummel, der dann aber wegen 90% Regenwahrscheinlichkeit just in dem Moment abgesagt wurde, als ich am Treffpunkt aufschlug. Mist! Ich bin dann auf eigene Faust losgezogen, um dem XF 18 auf den Zahn zu fühlen.


Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich bin Wiederholungstäter. Nicht nur beim Dom, sondern auch beim XF 18. Als ich Anfang des Jahres von Olympus zu Fuji gewechselt bin, hatte ich bereits ein Exemplar. Damals hatte ich im Fuji-X-Forum gefragt, ob das XF 18 eines dieser Objektive ist, das man sich wieder kauft, nachdem man es verkauft hat, weil man ohne doch irgendwie nicht kann.

Diese Frage kann ich heute eindeutig mit JA! beantworten - zumindest für mich. Derzeit nenne ich drei Fujinons mein eigen. Das XF 18 2.0, das XF 35 1.4 und das XF 18-55 Kit-Zoom. Das XF 18 nutze ich ausschließlich an der X-Pro1, während ich das Xf 18-55 zu 100% an der X-T1 nutze - ich mag es einfach nicht an der X-Pro1. Keine Ahnung warum das so ist, aber umgekehrt geht es mir genauso. Das XF 18 an der X-T1 ist nicht mein Ding.

Das Bild zeigt übrigens den Münsteraner Dom als Teil einer Miniatur am Rande des Domplatzes, vor dem Bankhaus Lampe. Im Hintergrund erkennt man das Rathaus des Westfälischen Friedens.. Freistellen kann man also schon mal mit dem XF 18.


Was ich, im Gegensatz zum hochgelobten und immer wieder gepriesenen XF 23 2.0, am XF 18 schätze ist, dessen Unperfektheit und Rotzigkeit. Anfangs gab es Situationen, da hätte ich das 18er am liebsten vor Wut über's Haus geworfen, um es im nächsten Moment zu herzen und zu küssen. Einerseits hat es mich gelangweilt und enttäuscht, nur um direkt im Anschluss ein Bild rauszuhauen, bei dem ich begeistert dachte "Leck mich am Arsch ...!" Diese Ambivalenz kannte ich so bisher von noch keinem anderen Objektiv. Damals habe ich mich gefragt, ob es vielleicht an der Brennweite und deren Bildwirkung liegt, oder daran, dass man eigentlich weiß, was mit dem Objektiv möglich ist und deswegen enttäuscht ist, wenn nicht das Bild dabei raus kommt, was man erhofft bzw. erwartet hat.

Heute bin ich der Meinung, dass einem die Kombination X-Pro1 | XF 18mm F2 R ziemlich schonungslos vor Augen führt, wie scheiße eigentlich das Bild bzw. die Bildidee war. Umgekehrt rastet es um so deutlicher und nachhaltiger ein, wenn es dann (endlich) passt. Die einen nennen sowas zickig, andere anspruchsvoll. Ein wirklich einfaches Fire-And-Forget-Objektiv ist das 18er aber tatsächlich nicht. Es benötigt etwas (mehr) Zuwendung Zuneigung, entschädigt dann aber mit Charm und Charakter.

Zum Bild: DER Stuhlmacher - eine der ältesten und traditionsreichsten Gaststätten  Münsters. Seit vier Generationen im Familienbesitz, direkt neben dem Rathaus des Westfälischen Friedens am Prinzipalmarkt. Wie heisst esso schön im Münsterlied: "Wer den Stuhlmacherschen Tropfen und den Bullenkopp nicht kennt und des Pinkus Müllers Hopfen, war in Münster nie Student"


Zurück zum XF 18: Vielleicht - oder sogar wahrscheinlich - liegen Charme und Charakter des Objektivs an dessen bauartbedingten Schwächen. Ja, es ist in den Ecken unschärfer Ja es neigt zu CAs. Ja, es verzeichnet stärker - auch wenn dies softwaremäßig korrigiert wird. Und ja, es vignettiert auch stärker. Es ist und bleibt nun mal Pancake - mit all seinen Vorteilen und Nachteilen. Bei Offenblende von einem Objektiv dieser Bauart ein von Rand zu Rand scharfes Bild zu erwarten ist in meinen Augen realitätsfremd und überzogen. Glaubt man den einschlägigen Tests, soll das 27er 2.8 das alles viel besser können. Keine Ahnung!

Mich persönlich  konnte das 27er genauso wenig begeistern wie das 23er 2.0. Beide Objektive sind mir zu glatt, zu digital, zu perfekt. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass 23 2.0 sei wie ein VW Golf - ziemlich perfekt aber ziemlich langweilig. Der ein oder andere mag nun anmerken, dass Perfektion nichts schlechtes ist und man die von mir so geliebten analogen Unschärfen auch nachträglich mittels Bildbearbeitung einfügen könne. Umgekehrt sei es aber schwerlich möglich, aus einem unscharfen Bild ein scharfes zu machen. Ja, mag sein - und stimmt sogar! Trotzdem ist es nicht das selbe. Ich bin nun mal Fan dieses alten, unperfekten, leicht rotzigen, analogen Looks und freue mich, dass ich mich dafür nicht vor den PC setzen muss.

Zum Bild: Der ein oder andere wird es erkannt haben: Das Antiquariat Wilsberg! Zumindest heisst es so in der ZDF -Krimireihe "Wilsberg". Wie der Besitzer etwas aus der Zeit, etwas verschroben, aber immer liebenswert und ehrlich. So wie das XF 18. Im echten Leben heißt das Antiqauriat, wie auf dem Bild unschwer zu sehen ist, "Solder" und ist weit weniger altmodisch als der Fernsehableger - Internetauftritt und Facebook-Seite inklusive. Gilt übrigens auch für das XF 18, das weit weniger schlecht ist, als sein Ruf.


Und nun? Ist das XF 18 ein erstrebenswertes Objektiv? Jain! Das XF 18 ist eher praktisch als perfekt. Es erinnert mich ein wenig an ein Schweizer-Offiziersmesser. Das Teil hat u. a. auch eine Säge, trotzdem würde niemand auf die Idee kommen, damit einen Baum fällen zu wollen. Scharf ist die Säge aber dennoch. Wer also eine Präzisionsoptik sucht oder erwartet, ist beim XF 18 falsch. Ebenfalls weitersuchen sollten diejenigen, die ein gemäßigtes Weitwinkel für hochwertige Landschafts- oder Architekturfotografie brauchen. Wer hingegen ein kleines, leichtes Reportageobjektiv sucht, findet in dem XF 18 ein zuverlässiges Immerdrauf.

Zum Bild: Münsters gute Stube - Der Prinzipalmarkt!


Glück auf!

Fujifilm X-Pro1 | Fujinon XF 18 mm F/2 R