Fujinon XC 50-230mm F4.5-6.7 OIS II - Zweiter Versuch



O.K., reden wir mal über das Fujinon XC 50-230mm F4.5-6.7 OIS II. manche Dinge kauft man sich mehr als einmal in seinem Leben. Besagte Fuji-Linse ist, wie das XF 18mm 2.0,  so ein Ding. Ein wenig erinnert mich das Objektiv an das Olympus M.Zuiko DIGITAL ED 40-150mm 4-5.6 R MSC. Beide Zoom Objektive werden zumeist im Rahmen eines Kits erworben, um dann auf dem Gebrauchtmarkt als Refinanzierung wieder verkauft zu werden. Und auch das Olympus hatte ich mehr als einmal in meinem bisherigen fotografischen Leben.

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Optisch sind sowohl das Fujinon als auch das M.Zuiko besser als ihr Preis vermuten lässt. Wobei: Der offiziell empfohlene VK für das 50-230 II liegt in Deutschland bei 399,00 EUR. Nicht gerade ein Schnapper, wenn man bedenkt, dass Olympus für sein 40150 gerade mal die Hälfte aufruft. Optisch, wie gesagt, tun sich die beiden wie gesagt nicht nicht viel. Allerdings ist das Oly etwas lichtstärker.


Aus Plastik sind wiederum beide. Für manche ist das ein Nachteil, für andere eher nicht. Die Olympus-Kit-Linsen werden seit Jahren mit einem Kunstoffbajonett ausgeliefert. In meiner ganzen Zeit hatte ich nicht einen Defekt. Weder bei den alten FT-Linsen noch bei den jüngeren mFT-Objektiven. PENTAX biete seine kleinen 35mm und 50mm Festbrennweiten ebenfalls ausschließlich mit einem Kunststoffbajonett an. Defekte? Nicht mehr oder weniger als bei den Objektiven mit Metallbajonett.

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Was mich persönlich mehr stört, ist der fehlende Blendenring. Ja, ich weiss, gibt es auch nicht bei Olympus oder Pentax. Die ziehen das aber bei den moderneren Linsen konsequent durch, während Fuji bei den hochpreisigen Objektiven aber sehr wohl auf einen Blendenring setzt. Wenn ich also eine ganze Weile mit dem 1855 fotografiert habe, erwische ich mich durchaus dabei, dass ich beim 50230 den Blendenring suche. Erschwerend kommt hinzu, dass die Einstellräder für Blende und Zeit bei Olympus und Pentax besser zu erreichen bzw. zu erfühlen sind, als bei meiner X-T1.


Ein Stück weit ist das natürlich Jammern auf hohem Niveau. Auf der anderen Seite sind 399,00 EUR auch kein wirklicher Schnapper. Für mein neues Tamron 70-200 mm 1:2.8 mit Pentax-Anschluß habe ich vor knapp drei Jahren im deutschen Fachhandel gerade einmal 120 EUR mehr bezahlt. Und ganz ehrlich, das Tamron spielt in einer anderen Liga als das Fujinon 50-230mm. Zudem ist es, im Gegensatz zum Fuji, innenfokussiert. Und über die Lichstärke brauchen wir auch nicht zu reden. Da sieht das Fuji im direkten Vergleich kein Land. Ja, ich weiss, unfair, und zwar sowas von. Heute gibt es das Tamron nicht mehr für den Preis, und wenn dann nur noch gebraucht. Aber selbst, wenn ich das Pentax 55-300mm WR nehme, das in der gleichen Preisklasse angesiedelt ist, und neu irgendwas zwischen 300,00 EUR und 400,00 EUR kostet, zieht das Fuji von der Ausstattung den kürzeren. Das Pentax 55-300 ist zwar auch nicht innenfokussiert, dafür aber abgedichtet.


Das Fuji ist beides leider nicht. Weder innenfokussiert noch abgedichtet. Eigentlich nicht wirklich schlimm. Ich fotografiere recht selten, wenn es regnet. Und ein paar Tropfen schaden in der Regel keinem Objektiv.Viel schlimmer ist aber Staub. So richtig kleiner, feiner Staub wie z. B. am letzten Wochenende beim Spaziergang durch die Gelsenkirchener Zoom Erlebniswelt, in dessen Verlauf diese Bilder entstanden sind. Besagter Staub legte sich kaum merklich auf Kamera und Objektiv. Und da das Fuji beim Zoomen einen ordentlichen "Rüssel" produziert, ist die Gefahr nun mal recht hoch, dass es sich den ein oder anderen Staubpartikel reinsaugt. Und genau diese Gefahr besteht kaum bis gar nicht, wenn man ein innenfokussiertes oder abgedichtetes Objektiv verwendet.


Natürlich bietet auch Fuji abgedichtete und infokussierte Objektive an. Allerdings ist man dann im freundlich vierstelligen Bereich. Und genau da hört bei mir der Spaß auf. Zu Zeiten meiner E-M1 bin ich recht günstig an ein Sigma 70-200mm 1:2.8 gekommen. Das Objektiv gab es für eine ganz kurze Zeit mal mit FT-Anschluss, konnte sich aber nicht gegen das Olympus Digital Zuiko 50-200mm f/2.8-3.5 ED SWD durchsetzen. Daher kannman es mit etwas Glück und Geduld sehr günstig bekommen. Das Teil ist allerdings ähnlich schwer wie das Tamron. Glas wiegt nun mal, ganz unabhängig von Bajonett und Crop-Faktor. Die Frage ist also auch, wie viel Gewicht ich bereit bin, mit mir rumzuschleppen. Und da muss ich gestehen, dass an meiner E-M1 immer öfter das gute alte Olympus Zuiko Digital 40-150mm f/3.5-4.5 hing. Weder abgedichtet noch innenfokussiert, dafür gebraucht mit knapp 50 EUR äußerst erschwinglich und optisch über jeden Zweifel erhaben.


Und genau hier schließt sich der Kreis zum Fujinon XC 50-230mm F4.5-6.7 OIS II. Natürlich gibt es verarbeitungstechnisch und optisch bessere Objektive als dieses kompakten Plastikbomber. Aber die besagten Objektive sind schwerer und um ein vielfaches teurer. Und natürlich sind die erwähnten 399,00 EUR OVP auch nur die halbe Wahrheit. Mit etwas Glück bekommt man das Objektiv neuwertig auch für knapp die Hälfte des Geldes. Und das ist es allemal wert. Denn auch das haptisch und optisch höherwertige XF 55-200mm F3.5-4.8 R LM OIS ist weder abgedichtet noch innenfokussiert und kaum für unter 600,00 EUR zu bekommen.


Man sollte sich also fragen, ob man tatsächlich bereit ist, für einen Blendenring, eine bessere Haptik und eine etwas bessere Abbildungsleistung mindestens 400 EUR mehr zu auszugeben. Ich war und bin dazu nicht bereit. Dafür verwende und brauche ich einfach zu selten ein Telezoom. Die Bilder die ich freihand mit einem Telezoom mache sind zudem von nicht so hochwertiger Natur und fallen eher in den Bereich Urlaub und Familie. Da ist mir das letzte Quäntchen Auflösungwirklich nicht wichtig genug. Für Aufnahmen vom Stative habe ich entweder manuelle Festbrennweiten wie das Carl Zeiss Jena Sonar 135mm F/3.5 oder das PENATAX-M 200mm F/4 oder aber das gute alte PENTAX-M 80-200mm F/4.5. Diese alte manuellen Optiken brauchen sich auch heute optisch nicht zu verstecken, sind aber freihand an der X-T1 auf Grund des fehlenden Stabis etwas tricky.


Das Fujinon XC 50-230mm F4.5-6.7 OIS II ist dagegen auf Grund des eingebauten Stabilisators um einiges pflegeleichter, wie das obige Bild, das freihand aufgenommen wurde, vielleicht zeigt. Selbstverständlich wurden sämtliche Bilder dieses Beitrags nachbearbeitet. Schärfe und Klarheit wurden in der Regel etwas angehoben und der Kontrast entsprechend angepasst. Grundeinstellung für sämtliche JPGs war die Filmsimulation Classic Chrome (Schärfe +1, Farbe +1, Tiefen-1, Lichter -1, Rauschreduktion -1, Weissabgleich Auto). Ich bin mit den Ergebnissen mehr als zufrieden. Fehlende Abdichtungen und fehlender Blendenring hin oder her. Für das, wofür ich ein Telezoom brauche, ist das Fujinon XC 50-230mm F4.5-6.7 OIS II mehr als ausreichend.

Glück auf!
Fujifilm X-T1 | Fujinon XC 50-230mm F4.5-6.7 OIS II