Schwarz-Weiss-Fotografie mit Festbrennweiten



Wie die Zeit vergeht. Die Photo+Adventure Duisburg 2019 ist auch schon wieder gut vier Wochen her - und damit auch der großartige Workshop mit Thomas Adorff und Cassidy Rose.

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Thomas kenne ich schon eine ganze Weile. Kennengelernt haben wir uns meines Wissens 2014 bei der Creative-Challenge von Tamron in Zingst. Wo auch sonst, wenn nicht dort. Thomas war zu der Zeit noch kein Olympus Visionary und ich rannte damals noch mit PENTAX - genauer gesagt einer K30 - durch die Gegend. Seine Art zu fotografieren fand ich schon damals spannend.


In 2015 belegte ich dann bei ihm seinen ziemlich legendären "Charakterköpfe" Workshop. Thomas war inzwischen  Olympus Visionary und ich nannte eine K-5II mit Tamron 28-75mm 2.8 sowie einem Tamron 70-200mm 2.8 mein eigen. Sinn dieses Workshops war es sowohl vor als auch hinter der Kamera zu agieren. Damals überforderte mich der Workshop. Blitztechnik, Licht setzen, Anweisungen geben ... Das war so gar nicht meine Art der Fotografie. Viel zu viel Technik und viel zu wenig Zeit für das Motiv. Parallel dazu belegte ich noch zwei Workshops bei Christoph Künne.


In 2017 und 2018 sahen wir uns dann zumeist im Photogarten von Olympus bzw. auf den angebotenen Fotowalks. Mitte 2016 hatte ich  meine K-5II gegen eine E-M1 getauscht. Grund war meine Liebe zum alten Zuiko Digital 1454. Personenfotografie war immer noch nicht meins, aber Thomas ließ nicht locker, mich ständig darauf hinzuweisen, dass Portraitfotografie extrem viel Spaß mache und ich mich endlich mal trauen sollte, über meinen Schatten zu springen. Also habe ich "heimlich" den ein oder anderen Portraitworkshop und Fotowalk belegt um zu überprüfen, ob Thomas tatsächlich Recht haben könnte. Offiziell vertrat ich aber immer noch die Meinung " Landschaft motzt nicht, Landschaft kotzt nicht!"


Wirklich erfolgreich war ich nicht. O.K., wer meinen Blog kennt, weiss, dass ich für mich feststellen konnte, dass ich eher in der Reportage zu Hause bin und ich wunderbar reagieren und schmarotzen kann. Auch wenn der Workshop bei Christoph bereits 2016 war, galt das auch für 2017 und 2018. Was mir nach wie vor total abging war, eigene Bilder zu kreieren bzw. eine Bildidee zu haben und diese gemeinsam mit dem Model umzusetzen. Ich war weiterhin eher der stille Bewunderer und fragte mich, wie die anderen das machten - das mit der Bildidee und der Umsetzung.


Um der Sache auf den Grund zu gehen, fing ich ab Mitte 2018 an, Bücher und Blogartikel über Portraitfotografie und Blitztechnik zu lesen sowie Youtube-Videos zu diesen Themen zu schauen. Wie es der Zufall wollte, bot Thomas dann auf der diesjährigen Photo+Adventure einen Available-Light-Workshop mit lichtstarken Festbrennweiten an. So ganz ohne sein sonst so geliebtes Blitzdingsgedönse. Dazu auch noch bevorzugt in schwarz weiss. Voll mein Ding. Als Model agierte, wie so oft bei Thomas, Cassidy Rose.


Und diesmal sollte es in meinem Hirrn "KLICK" machen. Das Angenehme an erfahrenen Models wie Cassidy ist nämlich, dass sie einem Posen anbieten. Das Unangenehme ist, dass sie wissen wollen, was man denn gerade so fotografiert, um Kräfte zu sparen. Wenn ich also "nur" das Gesicht fotografieren will, braucht das Model  auf die Spannung und die Posen der Beine nur einen geringen Wert legen. Irgendwann fing ich dann von selbst an zu sagen, was ich denn gerade fotografieren würde und irgendwann gab ich dann Anweisungen. Mein persönlicher "Durchbruch" war dann das folgende Bild.


Motiv und Pose kamen mir irgendwann in den Sinn und ich gab Cassidy klare Ansagen. Natürlich war das nicht sofort ein Treffer. Am Anfang war der Beschnitt etwas zu eng, dann zuweit. Thomas gab dann aber die entscheidenden Tipps und Hinweise und Cassidy war geduldig und schaffte die Pose immer wieder, was mich immer noch ziemlich nachhaltig beeindruckt. Am Ende des Workshops war ich ich dann ziemlich zufrieden mit mir und der Welt. Auch wenn es erst fast am Ende des Workshops war, aber ich hatte meine Bildidee und habe diese mit dem model zusammen umgesetzt. Hilfreich dabei war sicherlich, dass ich mich im Vorfeld schon einen ganze Weile mit dem Thema beschäftigt hatte und und das ein oder andere Bild bzw. die ein oder andere Pose im Kopf hatte, was früher einfach nicht der Fall war.



Während des Workshops musste ich dafür ein wenig leiden. Thomas zog mich die ganze Zeit damit auf, dass ich Anfang des Jahres Olympus den Rücken gekehrt hatte und nun auf das vermeintlich falsche Pferd setzen würde. So ist das halt, wenn man mit einer Fuji auf einen Workshop eines Olympus Visionary geht. Lustigerweise war Thomas aber der auch Einzige mit einer Olympus Kamera - der sagenhaft kompakten und leichten E-M1X. ;-)Die muss man wirklich mögen und wollen. Mein Ding ist sie mal so gar nicht! Die Frotzelei zwischen Thomas und mir selbst fand ich ehrlich gesagt sogar ein Stück weit motivierend. Und das M.Zuiko Digital 45mm 1.8 von Olympus ist und bleibt eine Wahnsinnsportraitlinse - auch wenn Thomas das 45mm 1.2 bevorzugt.


Doch zurück zu Fuji! Jawohl, Fuji! Während das obige Foto mit einem manuellen Walimex Pro 85mm 1.4 gemacht wurde, entstanden die übrigen Bilder entweder mit dem XF 35mm 1.4 oder dem XF 50mm 2.0. Als Kamera diente entweder die X-Pro1 oder die X-T1. Vor allem die X-Pro1 mit dem XF 35mm 1.4 beeindruckte mich mal wieder nachhaltig. Ich finde die Kombination hat einen sehr speziellen, eigenen, Look. Erst recht, wenn es sich um Schwarz-Weiss-Bilder handelt. Irgendwie scheint diese Kombi dafür gemacht zu sein. Das 50er ist auch verdammt nah dran, aber hin und wieder man merkt dann schon, dass es "nur" eine Offenblende von 2 (zwei) hat. In diesen - zugegeben - wenigen Situationen hat das 35er 1.4 einfach dieses Mehr an besonderem Schmelz, was wahrscheinlich zum einen an der Offenblende von 1.4 liegt und zum anderen daran, dass man als Fotograf näher an das Model heran muss, was wiederum das Bild ein Stück weit intimer macht. 


Gerade diese besonderen Momente kann die X-Pro1 einfach irgendwie ein Stück weit besser als die X-T1. Keine Ahnung warum? Vielleicht liegt es am Sensor. Vielleicht am Messucher-Stil. Vielleichtdaran, dass sie langsamer und lauter ist und dadurch analoger. Oder vielleicht darum, weil nicht das ganze Gesicht des Fotografen hinter der Kamera verschwindet. Oder vielleicht ist es auch eine Mischung aus alle dem. Allerdings mag ich sie auch  nur ausschließlich mit Festbrennweiten, die einen Autofokus haben. Manuelle Brennweiten und Zoom-Objektive mag ich an der X-Pro1 gar nicht. Da kommt dann die X-T1 ins Spiel. Mit ihr fotografiere ich entweder mit dem XF 18-55mm oder manuellen Brennweiten wie dem Walimex 85mm 1.4. Die X-T1 ist sowas wie mein Arbeitstier. Immer wenn ich nicht genau weiss, was auf mich zukommt oder was ich will, nehme ich die X-T1. Sie liefert ohne zu klagen. Egal mit welchem Objektiv. Zwar nicht ganz so magisch / speziell wie die X-Pro1, dafür aber mit einer bestechenden Zuverlässigkeit und Objektivität.

Ach ja: Thomas, Du hast übrigens Recht! Auch wenn es bei mir eine Weile gedauert hat: People- und Portraitfotografie macht wirklich Spaß! Dir und Cassidy vielen Dank für einen tollen Workshop und die ganzen Hilfestellungen! 

Glückauf !

Fujifilm X-Pro1 | Fujifilm X-T1 | Fujinon XF 35mm 1.4 | Fujinon XF 50mm 2.0 | Walimex Pro 85mm 1.4