Gegen den Trend



Gestern war mal wieder dass alljährliche Treffen zum musikalischen Jahresausklang in den Räumlichkeiten des Brieden-Verlags, Heimat des LP-Magazins und der Klang&Ton. Nette Stunden im Kreis noch netter Menschen. Holger hatte eingeladen. Was das mit Fotografie zu tun hat? Jede Menge! Dran bleiben!


Vor ziemlich genau 15 Jahren kam der Brieden Verlag auf die Idee ein Hochglanzmagazin über "Analoges HiFi & Vinyl-Kultur" auf den Markt zu bringen - die LP - und Holger zum Chefredakteur des Magazins zu machen. 2004 fristeten Schallplattenspieler, Schallplatten und/oder Vinyl im allgemeinen und speziellen ein Schattendasein. Die Musikträger der Stunde waren CDs und BlueRays, Streaming steckte in den Kinderschuhen. Ich selbst hatte Mitte der 90er Jahre den alten Dual-Plattenspieler meiner Eltern eingemottet und hörte seitdem ausschließlich Musik über meinen CD-Spieler. Die Themen Vinyl und Boxenbau (Klang & Ton) sollten sich mir erst wieder 2008 erschließen. Zum Jahreswechsel 2009 / 2010 legten einige Gäste der Silvesterparty ihre I-Pods auf den Tisch und schauten mich an. Mein Kommentar "Sorry, ich höre Platte" sorgte für ungläubiges Kopfschütteln. Zwei Jahre später unterhielt sich die gleiche Gruppe darüber, welchen Schallplattenspieler man sich den kaufen sollte. Totgesagte leben länger. I-Pods? War mal!


Doch zurück zum gestrigen Abend. Da trafen sich also ein paar Selbstbauer und Vinyl-Junkies, um das Jahr 2019 musikalisch ausklingen zu lassen. Quelle war ein selbstgebauter Plattenspieler von Holger (s.o.). Gehört wurde größtenteils über Selbstbauboxen aus der K+T. Und natürlich hatten einige der Teilnehmer ihre Kamera dabei. Genauer gesagt waren es eine Nikon D7200, eine Nikon D700, eine Nikon D3s und eine Canon 5D MK III. Spiegellose Megapixelmonster, wie sie zur Zeit im Trend liegen? Fehlanzeige! Die 5D MK III hat Micha sich als gepflegtes Gebrauchtgerät zu Weihnachten gegönnt, obwohl er eigentlich ja gerade auf Fuji umgestiegen war, nur um dann festzustellen, dass gutes Glas bei Fuji kostet und das Adaptieren seines Canon-Altglases ergonomisch irgendwie wenig Sinn macht. Da kam die 5D gerade recht. Duplizität der Ereignisse. Mir ging es vor nicht allzu langer Zeit ähnlich, nur dass es bei mir eine Nikon wurde. Nicht ganz unschuldig daran, Holger und seine D3s.


Und so entspann sich recht schnell eine lebhafte Diskussion über DSLRs, deren Preisverfall und die Parallelität zur Schallplatte und deren Abspielgeräten, sowie den Vorteilen des spiegellosen Systems. Damals sprach man bei der CD unter anderem auch von einer höheren Auflösung und einer einfacheren Handhabung. Plattenspieler wurde einem Anfang des neuen Jahrtausends nachgeworfen und man konnte das ein oder hochpreisige Abspielgerät aus den 70ern und 80ern noch aus dem Elektroschrott des örtlichen Recyclers befreien. Heute bezahlt man für die gleichen Geräte, die vor gut 20 Jahren noch weggeworfen wurden, horrende Summen.  Im Gegensatz dazu bekommt man derzeit eine Nikon D750 neu für unter 1.000 EUR. Micha hat für seine gebrauchte 5D MK III inkl. 2470 f/4 und Batteriegriff einen ähnlichen Preis bezahlt. Meine D700 hat weniger als 300 EUR gekostet. Tendenz weiter fallend, da nun der Großteil der User nach Jahren des Zweifelns doch auf die spiegellose Zukunft umsteigen möchte. Megapixelwahn inkl. Passende Objektive zu einem vertretbaren Preis? Eher nicht!


Bitte richtig verstehen! Es gibt hier weder ein richtig noch ein falsch. So wie aus einem Plattenspieler und einem CD-Spieler Musik kommt, kommen aus DSLRs und DSLMs Bilder. Lediglich die Produktion bzw Reproduktion ist eine andere. Gefallen macht hier also schön und da haben jeweils beide Systeme Vor- und Nachteile. In Zeiten, in denen wir über Nachhaltigkeit und Klimaschutz bzw. Klimawandel reden, sollte man sich vielleicht tatsächlich einmal fragen, ob es immer das neuste Modell sein muss. So ein Verschluss ist für 100.000 bis 300.000 Auslösungen ausgelegt. Meine D700 hat knapp 60.000 Auslösungen, meine D750 knapp 20.000 und Michas 5D III hatte, als er sie gekauft hat, noch nicht mal 10.000 Auslösungen. Braucht man wirklich immer das Mehr an Megapixel und Auflösung? Die Knpsen sind solide gebaut und haben noch ordentlich Puffer, wie man an Holgers D3s sieht. Die hat er seit 9 Jahren im täglichen Einsatz und sie funktioniert noch immer tadellos.


Megapixeltechnisch bin ich mit der D700 wieder da, wo 2012 dieser Blog begann. Damals kostete die D700 allerdings ungefähr das zehnfache einer E-PL1. Bilder machen kann man heute noch mit beiden Kameras. Sehr gut sogar. Wirklich viel vermisse ich an der D700 gegenüber einer D750 oder E-M1.1 oder X-T1 hinsichtlich der Bildqualität und Bedienung nicht. Fotografieren ist mit den Nikons vielleicht sogar wieder ein Stück weit authentischer geworden, was vielleicht daran liegt, dass ich ein Kind der 80er bin. Damals hatte eine vernünftige Kamera einen Spiegel zu haben - und eine Stereoanlage einen Plattenspieler. Und wer erinnert sich nicht an die legendäre F3-Werbung von Nikon: Dreimal in Vietnam, einmal in Kambodscha, zweimal Nordirland .... viermal Rumänien - einmal in Reparatur! 


Nur eine wirklich kompakte Reisekamera habe ich jetzt nicht mehr. Aber da ist ja noch die PENTAX MX-1 meiner Frau ...

Frohe Weihnachten!


Nikon Df | Nikon D700 | Tamron 28-75mm 2.8 | Tamron 45mm 1.8